9. November 2015 - Badische Zeitung

Drei-Zentner-Sau macht satt

Schlachtfest der Schergässler: Beim Festschmaus war das Zunftlokal über Stunden gut gefüllt.

Wohl bekomm’s: Schlachtfrische Blut- und Leberwurst zog nicht nur Schergässler an. Foto: HEIDI FÖSSEL

LAHR-REICHENBACH. Wenn die Narrenzunft der Schergässler kurz vor Martini zum traditionellen Schlachtessen in den Nörgler einlädt, herrscht Hochbetrieb im Zunftlokal. So auch wieder am Samstag beim 13. Schlachtfest. Geschätzte 200 Portionen Schlachtessen gingen über die Theke des Gastgebers. Zuvor hatten die Schergässler eine Drei-Zentner-Sau fachmännisch zur Strecke gebracht. Das Objekt der Begierde wurde früh am Samstagmorgen von Jürgen Wieseke und weiteren Schlachtexperten fachmännisch zerlegt.

Das Ritual im November war das gleiche, wie in zwölf Jahren davor: In den frühen Morgenstunden holen die Schergässler eine Sau vom Bauernhof und fahren sie zur Schlachtbank. Die steht in der Erzeugergemeinschaft Weideland Schuttertal. Das eingespielte Team arbeitet Hand in Hand, um pünktlich zur Mittagszeit die hungrigen Mäuler im Nörgler zu stopfen. Vor dem Zunftlokal dampften am Samstag die Kessel. Schon auf dem Treppenaufgang hoch zum Nörgler kroch den Besuchern des Schlachtfests der unvergleichliche Duft von Kesselfleisch und Metzelsuppe in die Nase.

Am Schluss waren fast 200 Schlachtessen zusammengekommen, bilanzierte ein zufriedener Oberzunftmeister Thomas Fischer. Neben dem Kesselfleisch durften auch die Blut- und Leberwürste nicht fehlen, der feine Kartoffelbrei, die schmackhafte Soße und das mit Gewürzen des Orients angereicherte Sauerkraut, für dessen Zubereitung Ehrenzunftrat Peter Bleicher mit seiner Frau Iris zuständig war.

"Das schmeckt alles wieder ausgezeichnet", sagte Gerd Merz, einstiger Zeremonienmeister, Sänger und Moderator der Schergässler, im Nörgler, in dem es fast keinen freien Sitzplatz mehr gab. Keiner wollte den opulenten Festschmaus im Zunftlokal verpassen, das für das 13. Schlachtessen gemütlich herausgeputzt worden war. Nicht fehlen durften die flüssigen Zutaten zum Festschmaus: ein Glas Moscht und als Verdauerle ä Schnäpsli aus heimischer Ernte. Im Nu waren die rund 200 Portionen verspeist. Anschließend bestand in geselliger Runde genügend Zeit, Pläne für die bevorstehende Kampagne in der fünften Jahreszeit zu schmieden, in der es bei den Schergässlern in der Narrenhochburg Reichenbach wieder hoch hergehen wird.

12. Februar 2015 - Badische Zeitung

"Das ist die Keimzelle der Fasent"

MENSCHEN UND MASKEN: Armin Furtwängler und Tom Mallach stellen den Schergassenjahrmarkt mit Programm auf die Beine.

Die Macher des Jahrmarkts: Zunftmeister Armin Furtwängler (links) und Zunftrat Tom Mallach Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. "Fasnacht ist immer wieder eine Herausforderung", sagt Armin Furtwängler. Der Zunftmeister der Schergässler ist zusammen mit Zunftrat Tom Mallach seit Wochen dabei, den Schergassenjahrmarkt mit Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen. Er findet nun am kommenden Wochenende statt.

Der Bauingenieur aus Reichenbach mit Wurzeln in Altdorf ist seit seinem zehnten Lebensjahr mit der Narretei verbunden. "Ich hab auf die Trommel gehauen", beschreibt Furtwängler sein erstes Engagement als Schüler im Fanfarenzug. Bereits sein Vater – Karl Furtwängler – war bei den Schergässlern aktiv gewesen. Heute gehört der Senior mit 70 plus der Ehrennarren an. Für handwerkliche Arbeiten waren die Furtwänglers immer zu haben, sagt der 45-Jährige, der seit 2012 das zweithöchste Amt bei den Schergässlern bekleidet. Schon bei seinem Vater war es um Arbeitseinsätze im Zunftlokal Nörgler gegangen. Heute sei es nicht viel anders, meint der Zunftmeister, wenn er an den Schergassenjahrmarkt denke.

"Er ist die Keimzelle der Reichenbacher Fasent", sagt Furtwängler mit Stolz und blickt zurück auf ihre Anfänge am Schutterstrand Ende der 1920er-Jahre. "Das ist Geschichte", sagt der Narrenvize, als er zusammen mit Tom Mallach die Holzpferde auf dem Speicher begutachtet, die von Schausteller Adolf Hahn aus Ottenheim stammen und von der Zunft in den 50er- oder 60er-Jahren erworben wurden. "In diesem Jahr kommen sie nicht zum Einsatz", sagen die beiden närrischen Funktionäre und stellen sie wieder in Reih und Glied auf dem Nörgler-Speicher. Die Pferdchen seien die Prunkstücke auf dem Zunftsratswagen gewesen und eine Augenweide auf dem Kinderkarussell, das für kurze Zeit in der Schergass seine Runden drehte.

Da geht es auch wieder am Fasnachts-Sonntag und Rosenmontag rund, schwärmen die beiden Organisatoren. Dann ist auf einer Holzbühne der Teufel los, dann wird im Stundentakt in der Garage der früheren Dokteri Lilli Sasse Komik im "Narietè" präsentiert, und an unzähligen Buden und Ständen der Narrengruppen wird Skurriles und Herzhaftes angeboten. "Es soll aber keine Fressgasse werden", sagt Tom Mallach, der für das Bühnenprogramm verantwortlich ist.

Der 45-Jährige ist gebürtiger Lahrer, in Seelbach aufgewachsen und recht spät zur Reichenbacher Fasent gestoßen. "Den Virus habe ich aber in mir", sagt der gelernte Fensterbauer und Koch, der heute als Medienberater arbeitet und Ehrenzunftmeister Werner Fehrenbach bei der Herstellung der Fasentzeitung hilft. 2002 wurde er mit seiner Frau Tanja und den Kindern Jessi und Emely Hästräger, lief bei Umzügen mit und organisierte ein Jahr später seinen ersten Schergassenjahrmarkt. 2004 wurde Mallach Zunftrat, als Baronspaar Tom I. und Tanja II. regierten die beiden im gleichen Jahr noch im Narrennest.

Seit ungefähr zehn Jahren ist Mallach der Macher des Bühnen- und Showprogramms. Er engagiert im Auftrag der Zunft die Künstler für die zweitägige Veranstaltung in der Schergass. "Immer neue Ideen sind gefragt", sagt Mallach, wobei auch Promis für Spielchen mit den Schergässlern auf die Bühne geholt werden. Dieses Mal ist es auch wieder so: "Grill den Adler-Wirt" heißt der Spaß, bei dem Promis gegen Sternekoch Daniel Fehrenbacher ins Rennen geschickt werden.

2. Februar 2015 - Lahrer Zeitung

Zunftabend in Reichenbach

(av) Was wäre die Reichenbacher Fastnacht ohne den Zunftabend, der am vergangenen Samstag zum 54. Male zelebriert wurde! Diese urwüchsige Fasent mit viel Lokalkolorit mobilisiert alles, was Reichenbach an Närrischem zu bieten hat. Der Zunftabend stand unter der Ägide des  Oberzunftmeisters Thomas Fischer, der die illustren Gäste in wohlgesetzten Versen willkommen hieß.

Nach der Proklamation des Baronspaares Regina I und Dennis I Perron stellten ihre Tollitäten den Reichenbachern eine urwüchsige Fasent in Aussicht. Es folgten Beiträge und Tanzeinlagen, die den Ruhm und Ruf des Reichenbacher Zunftabends begründen. Mit ihren heißen Rhythmen heizte die Zunftabendband „Skunks AT“, dem Publikum ordentlich ein. Durch das Programm führten Oberzunftmeister Thomas Fischer und Zunftmeister Armin Furtwängler, assistiert von Jens Jägle-Enders.

Die „Mini-Mini-Tanzgruppe“, 26 herzige kleine Mädchen und Buben, tanzten zum Thema „Grease“ und ließen so die Lebensfreude der sechziger Jahre aufleben. Sie eroberten sich im Sturm die Herzen der Zuhörer. Katja Bohy, Stefanie Kappus, Michaela Lauer und Nicole Weinrich-Dold  sorgten dafür, dass der Nachwuchs mit Eifer bei der Sache ist. Ihnen folgten die „Maxi-Minis“, die das Publikum mit ihrer Fastnachtsparade erfreuten. In ihren prachtvol-len Kostümen à la Nussknacker sorgten sie mit einer phantastischen Choreografie für zauberhafte Stimmung. Tanja Mallach und Michaela Fabry gelang es einmal mehr, die achtzehn jungen Damen zur Freude an der Fasent anzustiften.

Als „Lahrer hinkender Bote“ nahm Kalendermann Rolf Hügel allerlei Vorkommnisse aus Politik und Kommune bissig, humorvoll und hintergründig aufs Korn, wobei die Kommentare zur künftigen Landesgartenschau oder zur Tonofenfabrik für viel Kurzweil sorgten. Ohne Tanja Mühlhaus’ „Närrischer Jahresrückblick“ wäre das Programm gar nicht vorstellbar. Musikalisch von Reiner A. Kammerer begleitet, kommentierte sie in Versen und in Prosa und mit passenden Schlagern die große und kleine Politik, Begebenheiten aus der Welt des Fußballs und so manches aus dem Reichenbacher Dorfgeschehen. Mit ihren humoristischen Attacken auf den Bau der Brücke am Walkenbuck entlockte sie dem Publikum wahre Beifallsstürme.

Die „Neuen“ entführten die Gäste in himmlische Sphären, wo bekanntlich über den Wolken die Freiheit grenzenlos ist. Mit ihren Kalauern und Nonsens pur sorgten sie für heftige Attacken auf die Lachmuskeln. Für die Texte zeichnete Thomas Fischer verantwortlich, die mu-sikalische Leitung lag in den bewährten Händen von Jürgen Glatz. Mit dem „Buurequartett“, das fast auf den Tag genau vor 30 Jahren erstmals den Zunftabend bereicherte, stieg die Stimmung erneut an. Timo Haag, Patric Bohy, Mirko Sahl und Daniel Moser sorgten  in ihrer unverwechselbaren Art und mit ihrem Mix von Songs, Witzen und Parodien für eine Stimmung im Saal, die man erleben muss. Vor allem die Landesgartenschau und der geplante See hatte es ihnen angetan.

Schließlich zeigte die Tanzgruppe „Schergässler“ unter der Leitung von Sabine Petrovic und Henriette Glatz ihren traditionellen Schergässlertanz, der beim Zunftabend nicht fehlen darf. Schließlich sorgte ein Showtanz der Männertanzgruppe Sexau mit ihrer kühnen Akrobatik und postmoderner Kostümierung für Furore, besonders unter den weiblichen Gästen. Das große „Finale“ vereinte zu später Stunde nochmals alle Akteure auf der Bühne, ehe es hieß: „ Auf Wiedersehen im nächsten Jahr“

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