7. November 2020 - Badische Zeitung

"Eine freudvolle Fasent ohne Risiko"

CORONA UND DIE VEREINE – heute: Oberzunftmeister Thomas Fischer von den Schergässlern

Die Corona-Pandemie schränkt das öffentliche Leben ein. Vor allem Vereine sind betroffen. Die Badische Zeitung fragt nach, welche Konsequenzen die Krise hatte und noch hat, wie die Vereine darauf reagierten und wie sie die weiteren Perspektiven sehen. Heute: Thomas Fischer, Oberzunftmeister bei den Schergässlern in Reichenbach.

Thomas Fischer  | Foto: privat

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf das Vereinsleben? Nach der Fasentsaison 2020, die wir vor dem ersten Lockdown noch über die Bühne bringen konnten, ist das Vereinsleben im Frühjahr und Sommer für mehrere Wochen zum Erliegen gekommen. Die Hauptversammlung wurde im September unter strengen Hygieneauflagen in der Geroldseckerhalle nachgeholt.

Wie hat die Zunft auf die Einschränkungen reagiert? Bislang hat sich die Pandemie für uns als Fasentzunft außerhalb unserer Veranstaltungen abgespielt. Die Hygienemaßnahmen umzusetzen, war deshalb nicht sonderlich aufwendig. Angesichts der aktuellen Entwicklung werden wir unsere Sitzungen im November online durchführen. Wir haben uns vorgenommen, in den kommenden Wochen nicht abzutauchen. Wir wollen Machbares coronakonform und im Kleinen durchführen. Dazu gehört unser traditionelles Schlachtfest, das am 14. November steigen soll – allerdings als "Schlachtfest to-go". Schlachtplatten können bei uns bestellt und dann im Nörgler abgeholt werden. Damit wird die Zunft in diesen schweren Zeiten unterstützt, die mit hohen Einnahmeausfällen in der kommenden Fasentsaison rechnet.

Wenn die Corona-Pandemie andauert, welche Konsequenzen wird das auf die Zunft und das Vereinsleben haben? Finanziell erwarten wir ein schwieriges Jahr 2021. Fasentsonntagsumzug, Zunftabend und Kinderball wurden in der gewohnten Form bereits abgesagt, ebenso wie Veranstaltungen in unserem Vereinslokal Nörgler. Einnahmen werden fehlen, die Fixkosten für den "Nörgler" aber bleiben. Glücklicherweise können wir auf unsere Mitglieder zählen. Es liegen keine Abmeldungen vor. Die Zunftmitglieder bringen viel Verständnis für die außergewöhnliche Situation auf und halten den Schergässlern die Treue. Wir machen uns derzeit viele Gedanken darüber, wie die Fasent 2021 trotz der Bedingungen freudvoll und ohne große gesundheitliche Risiken gestaltet werden kann – ganz gemäß dem närrischen Motto unserer Fasentzeitung: "Jedem zur Freud, keinem zum Leid!" Die Fasentzeitung wird es auf jeden Fall geben, ebenso wie einen digitalen Zunftabend, den wir derzeit mit viel Aufwand vorbereiten. Wir wollen aktiv sein, neue Veranstaltungsformate ausprobieren und auch in Corona-Zeiten das närrische Brauchtum im Ort pflegen. S’goht dagege!

21. Februar 2020 - Badische Zeitung

Groß und Klein sind eine Show

MENSCHEN & MASKEN: Die Mini-Minis und Maxi-Minis der Schergässler in Reichenbach tanzen auch vor großem Publikum.

Larissa Mühlhaus, Laura Eckerle und Sh...n links) mit ihrem Trainerinnen-Team.   | Foto: Wolfgang Beck

Larissa Mühlhaus, Laura Eckerle und Shania Bohy (von links) mit ihrem Trainerinnen-Team. Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Die Mini-Minis und Maxi-Minis sind in der Fasentkampagne der Reichenbacher Schergässler fester Bestandteil auf der närrischen Bühne. Die BZ hat bei den Nachwuchs-Tänzerinnen und -tänzern in der Geroldseckerhalle vorbeigeschaut und mit Laura Eckerle (4), Larissa Mühlhaus (15) und Shania Bohy (18) gesprochen.

Laura Eckerle ist mit vier Jahren die Jüngste im Narrensamen, der keck auf der Bühne steht. "Bi uns uf em Dorf isch ebbes los" hieß ihr närrischer Auftritt, der von Katja Bohy, Nicole Weinrich-Dold und Michaela Lauer einstudiert wurde. 17 Mädchen und fünf Jungen zählen zur Tanzgruppe der Mini-Minis. "Es macht ganz viel Spaß", erzählte Laura Eckerle, die von ihrer Mutter dienstags ins Training gebracht und wieder abgeholt wird. Seit September 2019 habe man die Tanzschritte einstudiert. Ein bisschen Lampenfieber habe sie vor ihren großen Auftritten schon gehabt, wie Eckerle sagt. Nicht viel anders ergeht es den "alten Hasen" bei der Tanzparade der Maxi-Minis, wie Larissa Mühlhaus (15) und Shania Bohy über ihre Einsätze bei den Schergässlern berichteten. Sie gehören der älteren Tanzgruppe an, die von Nadja Disch und Julia Moser trainiert wird. "Michael Jackson war unsere Idee", erzählt Shania Bohy, die mit 18 Jahren älteste Teilnehmerin der Maxis. Sie lieferten bereits beim Zunftabend eine perfekte Michael-Jackson- Show ab. 17 Tänzerinnen standen auf der Bühne. Dass Shania Bohy Rhythmus und Musikalität im Blut hat, komme von ihrem Vater Patrick Bohy, der im Buurequartett zu den Aktivposten zähle. Mit vier Jahren habe sie bereits Shania als Cow-Girl bei den Mini-Minis angefangen. Im selben Alter war Larissa Mühlhaus (15) dabei, die sich noch genau daran erinnert, beim Thema "Sommertanz" auf der Bühne gestanden zu haben; da war sie noch im Kindergarten in Reichenbach. "In einer Gruppe zu tanzen, dass es die Leute von den Stühlen reißt", das sei es, was sie am Tanzen reize, sagt Shania Bohy. Und Larissa Mühlhaus sieht es ähnlich: "Das Gefühl ist unbeschreiblich, wenn wir vor 500 Leuten tanzen und zeigen, was wir können." An vergangene Auftritte erinnern sie sich noch gut: "Die Piraten und Abba habe ich nicht vergessen", sagt Shania Bohy. Larissa Mühlhaus möchte "Greace" und die "Zeitreise" nicht missen, die viel Spaß gemacht hätten. Seit den Sommerferien haben die 17 Mädchen mit ihren Trainerinnen Nadja Disch und Julia Moser geprobt. Einmal in der Woche kamen sie in der Geroldseckerhalle für zwei Stunden zusammen. Im Internet und in Lahrer Geschäften haben sie sich die Kostüme und Accessoires zusammengestellt. Gemeinsam haben sie Videos von und mit Michael Jackson angesehen und mit ihren Trainerinnen an der Performance gefeilt. Nach dem Zunftabend der Schergässler ging es vergangenen Samstag nach Ortenberg, wo die Minis und Maxis beim Narrensometreffen des VON auftraten. Jetzt steht noch der Kinderball am Rosenmontag in der Geroldseckerhalle an. Für weitere Auftritte sei keine Zeit, wie sie sagen, "wir sind verplant". Ob sie in der nächsten Kampagne wieder auf der Bühne stehen? "Das steht in den Sternen", sagen Shania Bohy und Larissa Mühlhaus augenzwinkernd, und: "Schauen wir mal."

10. Februar 2020 - Badische Zeitung

Das Buurequartett ist zurück

Beim 59. Zunftabend der Schergässler in Reichenbach stehen die Musiker erstmals in neuer Formation auf der Bühne.

Wieder zu fünft: Das Buurequartett servierte Ohrwürmer wie am Fließband.   | Foto: Heidi Fößel

Wieder zu fünft: Das Buurequartett servierte Ohrwürmer wie am Fließband. Foto: Heidi Fößel

LAHR-REICHENBACH. Mit politischen Büttenreden, schwungvollen Tänzen, Witzen und Klamauk am Fließband haben die Schergässler am Samstag in einer fünfstündigen Show die fünfte Jahreszeit eingeläutet. 550 Gäste aus allen Bereichen der Gesellschaft genossen beim 59. Zunftabend in der Geroldseckerhalle ein Narrenspiel mit vielen Höhepunkten. Erstmals nach dem Tod von Mirko Sahl stand das Buurequartett wieder auf der Bühne und unterhielt die Zuhörer bestens.

Für Furore sorgte das Buurequartett, das nach einer einjährigen Pause wieder auftrat. Timo Haag, Patric Bohy, Daniel Moser und Harry Gyssler sowie Martin Dosch, der neue Mann am Bass, servierten Ohrwürmer wie "Mir läbe nur einmal". Ob als "anonyme Pessimisten", tollpatschige Buure, die zwischen Kuhstall, Wald und Weide kein Fettnäpfchen auslassen, zogen die musikalischen Komödianten alle Register. "Immer bi mir", hieß der neue Hit, bei dem vor allem Harry Gyssler über seine Missgeschicke nachdachte und tief in die Trickkiste komischer Gestik und Mimik griff. Fiffy Albatros alias Patrick Bohy machte dem Publikum als alternder Star klar, dass er sich für das Dschungelcamp anmelden werde, um als "Dschungel-Champ" zu Geld und Erfolg zu kommen. Sogar Daniel Moser verließ für einen neuen Auftritt das Schlagzeug, um sich als Sänger mit Gyssler zu einem Duett aufzumachen: Als zwei "Granaten der Volksmusik" nahmen sie unter ihrer Zipfelmütze die Schwarzwald-Idylle aufs Korn, trällerten zu Vogelgezwitscher über hohe Tannen und tiefe Täler, die sie als echte Schwarzwald-Buure besangen.

Beim Zunftabend hagelte es verbale Attacken gegen die große und kleine Politik, aber auch gegen menschliches Verhalten in allen Lebenslagen. Gelüftet wurde das Geheimnis, wer als Baronspaar in den närrischen Tagen am Schutterstrand das Zepter schwingt: Katrin II. (Katrin Pelzer) und Markus II. (Markus Eichhorn aus Sulz). Fetzige Musik, durchsetzt mit kräftigen Tuschs, lieferten die Skunks AT. Oberzunftmeister Thomas Fischer, Vize Armin Furtwängler und Zunftrat Jens Jägle-Enders führten durchs Programm. Dass es in Reichenbach an Nachwuchs nicht mangelt, bewiesen die zwei Dutzend Mini-Minis, die unbeschwert das Thema "Bi uns uf em Dorf isch ebbis los" aufgriffen. Als Dorfrocker und Schwarzwald-Mariechen wurden sie von Katja Bohy, Nicole Weinrich-Dold und Michaele Lauer in Szene gesetzt.

Der Narrensamen der 17 Maxi-Minis, die Nadja Disch und Julia Moser auf den großen Auftritt vorbereitet hatten, erntete für eine Michael-Jackson-Performance viel Beifall. Der Lahre Hinkende Bote (Rolf Hügel) hielt dem Narrenvolk den Spiegel vor. Die Tanzformation unter Leitung von Katja Schuhmacher wirbelte im bunten Häs über die Bühne in Reichenbach. Das Narrenvolk hatte kaum Zeit zum Luftholen, denn in Folge servierten die "Vereinstratscher" Beate Maier und Henriette Schüssele Dorfgeschichten. Sie plauderten aus dem Nähkästchen, dass es manchem im Saal die Röte ins Gesicht trieb. Die "Neuen" mit Patrick Decker, Thomas Fischer, Armin und Gerd Furtwängler, Jürgen Glatz und Beate Maier zeigten viel Spielwitz. Auf charmante Art setzte Tanja Mühlhaus (Keyboard Rainer Kammerer) einen kabarettistischen Schlussstrich unter einen großen Zunftabend.

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