29. Januar 2021 - Badische Zeitung

Schergässler unterhalten das Narrenvolk online

Die Reichenbacher Zunft bereitet ihren ersten digitalen zweistündigen Zunftabend für 7. Februar vor.
 
Oberzunftmeister Thomas Fischer in närrischer Aktion, als es noch  möglich war.  | Foto: privat Oberzunftmeister Thomas Fischer in närrischer Aktion, als es noch möglich war. (Foto:privat)
 
"S’isch, wie s’ isch", sagt Oberzunftmeister Thomas Fischer von den Reichenbacher Schergässlern nach dem zweiten Onlinetreffen. 18 Vertreter der Vereine und Dorffasentgruppen haben sich am Mittwoch einmal mehr dem digitalen Austausch angeschlossen. Im Fokus stand der erste digitale Zunftabend in der Vereinsgeschichte, der am Sonntag, 7. Februar, um 19 Uhr über heimischen Bildschirme flimmern soll. Dafür laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, berichtet Thomas Fischer über das zweite Onlinemeeting am Mittwochabend. "Jetzt geht es um die digitale Feinarbeit für den Zunftabend." Für das erste närrische Onlinespektakel in der Vereinsgeschichte, das ein zweistündiges Programm bieten soll, rühren die Schergässler die Werbetrommeln auch in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram. Kein leichtes Unterfangen sei es gewesen, so Fischer rückblickend, für die Beiträge auf der digitalen Bühne die Freigabe der Musikverlage zu bekommen, die weltweit verstreut seien und ihr "Okay" für den einmaligen digitalen Auftritt am 7. Februar geben mussten.

Daneben soll mit einem zweiten Projekt die Fasent in Reichenbach auch in Pandemiezeiten zelebriert werden. "Wie das aussieht, wird beim Zunftabend am Bildschirm verraten", sagt Fischer. Weitere Aktivitäten stehen allerdings fest: So hängen bereits die Fasentbändele in der Schergass‘, außerdem habe man die Reichenbacher Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, ihre Häuser, Fassaden und Fenster närrisch zu schmücken – und, wo es geht, eine Schergässler-Fahne aufzuhängen. Ferner wurde mit einer gemeinsamen Plakataktion der Narrenzünfte von Lahr bis ins hintere Schuttertal unter dem Motto "Ohne Mask bisch Du de Narr!" dazu aufgerufen, bei allen Aktivitäten einen Nasen- und Mundschutz zu tragen.

Damit es beim digitalen Zunftabend (ohne Eintritt und Zugangscode) an den PC und Bildschirmen nicht ganz trocken zugeht, haben die Schergässler ein Zunftabendpaket für alle Sinne geschnürt, das über eine Bestell-Hotline vor die Haustür gebracht wird. Im Paket befinden sich neben Bier oder Wein Herzhaftes für den Magen, Knabbereien und das eine oder andere närrische Utensil. "Die Zunftabendpakete werden vom 1. bis 7. Februar vor die Haustür gestellt", so Fischer. Bestellungen seien bis 31. Januar möglich.

1. Dezember 2020 - Badische Zeitung

Die Schergässler lassen den Zunftabend digital stattfinden

Die Fasentzunft der Schergässler in Lahr-Reichenbach will an Fasent 2021 den Zunftabend nicht ausfallen lassen – und bietet Ende Januar digital eine Veranstaltung an.

Die Reichenbacher Schergässler-Zunft  | Foto: Verein

"Es hat gut geklappt, wie es sich für richtige Narren gehört", so Oberzunftmeister Thomas Fischer von den Schergässlern nach dem ersten Online-Treffen mit 15 Vereinen und Dorffasentgruppen. Statt standesgemäßer Präsenzzusammenkunft im "Nörgler", gab es am Donnerstag erstmals eine Konferenzschalte am heimischen Computer mit dem Ziel, die Narrenschar auf die fünfte Jahreszeit 2021 einzustimmen.

Thomas Fischer war sichtlich zufrieden angesichts der hohen Teilnehmerzahl. Vier Vereinsvertreter und acht Dorffasentgruppen waren die digitalen Akteure beim Online-Meeting. "Ein Austausch auf diese Art war in Pandemiezeiten optimal", so die Meinung der Teilnehmer am Ende der digitalen Zusammenkunft. "Die Fasent findet in Reichenbach auf jeden Fall statt", so die Narrenbosse mit Blick auf die Kampagne 2021 und einem ernst gemeinten Zusatz von Fischer: "Aber eben auf eine andere Art und Weise." Gemeint war das Einhalten der geltenden Verordnungen in Corona-Zeiten: "Wir zeigen Präsenz vom Schmutzigen Donnerstag bis Aschermittwoch", prophezeite der Oberzunftmeister, der darüber informierte, dass in der Narrenhochburg Reichenbach die Fasentbändele ebenso aufgehängt werden wie daran gedacht sei, einen Narrenbaum zu stellen. Von den Reichenbacher Narren wünschte sich Thomas Fischer, dass sie an den närrischen Tagen kostümiert durch den Ort ziehen.

Gespannt verfolgten die Aktiven den aktuellen Planungsstand der Schergässler. Was geht an Fasnacht, was nicht? Wie bereits berichtet, werden Zunftabend, Umzug am Fasnachtssonntag und Kinderball am Rosenmontag ausfallen. "Auch Veranstaltungen in den Räumen des Zunftlokals Nörgler wird es an der kommenden Fasnacht nicht geben", so Fischer. Er hatte aber auch positive Überraschungen parat, was unabhängig vom Infektionsgeschehen am Schutterstrand närrisch geht und was nicht: So soll der Zunftabend der Schergässler am 30. Januar 2021 digital stattfinden. "Wie soll das denn abgehen?", wollten einige der Teilnehmer des Online-Meetings wissen. Die Organisatoren im Vorstand der Schergässler wussten eine Antwort. So soll der Zunftabend mit bekannten Akteuren, vorproduzierten Einspielern und mit einer Live-Moderation Frohsinn in die Wohnzimmer bringen. Fischer: "Durch bestimmte Komponenten soll auch das Publikum vor den Bildschirmen in den Zunftabend eingebunden werden."

Mit der Fasentzeitung soll es außerdem ein Stück närrisches Brauchtum geben. Lustige Geschichten des vergangenen Jahres werden allerdings noch gesucht, so die Auskunft. Letztlich wurde auf ein Projekt hingewiesen, das von einem Arbeitskreis vorbereitet wird und als "großes Geheimnis" angekündigt wurde. Nur so viel verriet Fischer: "Es ist eine Aktion unter freiem Himmel." Die Auflösung soll es kurz vor den Fasenttagen geben. Klar war nach dem digitalen Treffen, dass die Pflege des närrischen Brauchtums in Reichenbach auch in einer Pandemie nicht ganz heruntergefahren wird. "Wir rüsten uns für eine Fasent der anderen Art", so die Verantwortlichen. Ein weiteres Online-Treffen soll es Ende Januar geben.

15. November 2020 - Lahrer Zeitung

Deftiges Schlachtfest im "Nörgler"

Heiß begehrt waren die von den Schergässlern am vergangenen Samstag angebotenen Schlachtplatten. Foto: Vögele

Reichenbach (av). "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen": Getreu dieser alten Volksweisheit handelte die Reichenbacher Fasentzunft "Schergässler" am vergangenen Samstag. Alles dürfe doch nicht durch die Corona-Beschränkungen den Gereutertalbach hinunter schwimmen. Denn neben vielen Veranstaltungen jeglicher Art stand auch das beliebte Schlachtfest auf der Kippe. Doch die findigen Schergässler machten aus der Not eine Tugend: Zwar ist es nicht möglich, in geselliger Runde das traditionelle Schlachtfest im Nörgler zu feiern. Doch die kulinarischen Genüsse sollten den Freunden der Richebacher Fasent nicht vorenthalten werden.

So hatten sie noch einmal "Schwein gehabt" – im wahrsten Sinn des Wortes. Die Fasentzunft hatte zum 19. Mal zu diesem herbstlichen Ereignis eingeladen. In aller Früh waren Jürgen und Matthias Wieseke mit einigen Ehrenzunfträten bei der Arbeit, viele Helferhände wurden gebraucht: zum Schlachten und als Küchenpersonal. Es galt, Zwiebeln und Knoblauch zu schneiden, Kartoffeln zu schälen und alles vorzubereiten. Da in den Räumen kein Publikumsverkehr herrschte, konnten die Hygienevorschriften mühelos eingehalten werden. Dank dieser tatkräftigen Mithilfe konnten nach traditioneller Art die Schlachtplatten mit üppigen kräftigen Speisen wie Metzelsuppe, Kesselfleisch, Blut- und Leberwurst, Kartoffelpüree und Sauerkraut angeboten werden. Zur Mittagszeit reihten sich die Interessenten geduldig in die vorgeschriebene Reihe, um den nötigen Abstand einzuhalten und gesittet auf die Ausgabe der deftigen Schlachtplatten zu warten.

Zu früheren Zeiten fanden im Spätherbst nahezu in jedem Haus und Hof des Dorfes – wie überall im Schwarzwald – Hausschlachtungen statt, um für den langen Winter mit "Schweinerem" gerüstet zu sein. Viele erinnerten sich an die unzähligen Vorbereitungen, das Einkaufen seltener Gewürze wie Koriander oder Majoran, die Aufregung, wenn der Hausmetzger anrückte und beim Schlachten Kinder manche Tränen vergossen, es sich aber dennoch hinterher bei der "Metzelsuppe" gütlich taten. Heute sind diese deftigen Schlachtfeste mit ihrem geschäftigen Treiben und ihren Spezialitäten kaum noch zu finden. Oberzunftmeister Thomas Fischer dankte allen, die zum Gelingen des Schlachtfests und vor allem auch für die keine Wünsche offen lassende Güte der Spezialitäten beigetragen hatten.

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