8. Februar 2021 - Badische Zeitung

Wolfgang Gustav I. regiert in der Fasent

Der Zunftabend (Gerd Furtwängler von der Gruppe "Die Neuen") wurde per Livestream übertragen.

 

Die Schergässler haben ihren traditionellen Zunftabend nicht ausfallen lassen, sondern ins Internet verlegt. Dafür war das Zunftlokal "Nörgler" in ein Studio verwandelt worden. Auch Alt-OB Wolfgang G. Müller hatte seinen großen Auftritt. Souverän, als wäre er im Fernsehen daheim, moderierte Oberzunftmeister Thomas Fischer den Abend. Mit sichtlicher Freude kündigte er ein Programm an, das den gewohnten Zunftabenden in der Geroldseckerhalle wenig nachstand. Die Musikkapelle hatte etwa in mühevoller Puzzle-Arbeit den Reichenbacher Fastnachtsmarsch, den die Musiker zuhause einzeln eingespielt hatten, zu einer Collage zusammengefügt – dieses "Musikvideo" wurde zur Eröffnung eingespielt.

Identität des neuen Baronspaares

Eines der Geheimnisse, die beim Zunftabend traditionell gelüftet werden, ist die Identität des neuen Baronspaares. Viele Zuschauer daheim dürften nicht schlecht gestaunt haben, als sie erfuhren, dass der Alt-OB und seine Gattin als Baronspaar Wolfgang Gustav I. und Elke Oberg II. in diesen besonderen Corona-Zeiten die Reichenbacher Fasent regieren. Dem langjährigen Rathauschef und seiner Frau standen die Baronsmäntel gut zu Gesicht – sie dankten mit einer launigen Rede für die Ehre ("Ihr spürt die Aura, die Noblesse/Gestatten: Baron und Baronesse"), wobei Müller auch Persönliches preisgab ("Jahrzehnte den Rennwagen Lahr gelenkt/Dann von hundert auf fast null gesenkt/Diese Vollbremsung fand mein Herz bescheuert/Drum haben die Ärzte es runderneuert"). Müller lebte ­in seiner Inthronisationsrede monarchische Träume aus ("Ibert und Scherer werd’ ich nicht feuern/Solang’ sie ihre Unterwerfung beteuern"), während die neue Baronin aus dem heimischen Nähkästchen plauderte ("Wie war mein Leben doch wunderbar/Als Wolfgang Gustav noch berufstätig war/Doch nun da läuft es ziemlich dumm/Er schwänzelt dauernd um mich rum").

Seit Jahrzehnten gehört Tanja Mühlhaus zu den Protagonisten der Zunftabende. Seit sie 14 Jahre alt ist, singt sie temperamentvoll und nimmt in den Couplets auf die Schippe, was sich im Dorf und in der Welt ereignet hat. Die musikalischen Arrangements stammten von Reiner A. Kammerer. Wie gewohnt zauberte das Buurequartett mit seinen Mitgliedern Patrick Bohy, Martin Dosch, Harry Gysler, Timo Haag und Daniel Moser die ganz besondere Stimmung, die zur Reichenbacher Fasent dazugehört. Ihre Ohrwürmer und Kalauer erzeugten eine Stimmung zwischen Nonsens und purer Lebensfreude. Seit 25 Jahren mischen "Die Neuen" bei diesen Abenden mit, die zwar nicht mehr ganz so neu sind –­ aber ihre frappierenden und fantasievollen Einfälle sind es allemal. Patrick Decker, Thomas Fischer, Armin und Gerd Furtwängler, Jürgen Glatz und Beate Maier schlüpften in eine ihrer Lieblingsrollen. Bei einem Kasperletheater eigener Art widmeten sie sich mit viel Situationskomik aus dem Alltag auch einigen Reichenbacher Baustellen- und Verkehrsproblemen.

Werbespots Reichenbacher Firmen

Besonders gut gelungen waren die Werbespots Reichenbacher Firmen. Über den Einfallsreichtum und schlagenden Humor von Patrick Bohy und Jürgen Glatz konnte man nur staunen. Vom großen technischen und zeitlichen Aufwands aufgrund der Pandemieeinschränkungen hatten sie sich nicht bremsen lassen. Rolf Hügel als "Lahrer hinkende Bote" sprach unterhaltsam über politische, gesellschaftliche und kommunale Themen, wobei er wohl so manchem Zuschauer am Bildschirm aus der Seele sprach. Als einzige Konserve wurde der Schergässlertanz zu den Klängen des Marsches "Unterm Doppeladler" eingespielt – dieser Tanz gehört zu den geheiligten Traditionen der Schergässler, auf die nicht verzichtet werden kann. In einer Talkrunde wurden OB Markus Ibert, "de Hämme" Helmut Dold, Christiane Kupfer von der Seelbacher Eulenzunft und Karikaturist Andreas Krellmann, der den diesjährigen Fasentorden, den "weinenden Schergässler" erfunden hat, eingespielt. Am Ende des Abends gab Oberzunftmeister Thomas Fischer bekannt, dass ab dem Schmutzigen Donnerstag, 11. Februar, ein "Fasentpfad" mit 18 Stationen durch Reichenbach führen wird. Der vier Kilometer lange Weg ist in zwei Schleifen aufgeteilt, die mühelos begangen werden können, wie zu hören war. Fischer kündigte manche Überraschungen an, auch ein Gewinnspiel werde es geben.

Online Zunftabend

Wie sehr die Reichenbacher an der Fasent hängen, zeigte die Einschaltquote: 846 Haushalte verfolgten den ersten digitalen Zunftabend am heimischen Rechner, eine Belohnung für die Arbeit, die sich die Schergässler und das Team Beinert bei der Übertragung gemacht hatten. Das närrische Publikum war bei der Übertragung sogar teils auch zu sehen, konnten doch mit dem Mobiltelefon geschossene Bilder an eine Hotline gesendet werden. Der "Blick ins Wohnzimmer" mit knapp 200 Aufnahmen zeigte, dass auch ein Zunftabend in digitaler Form viel Freude bereiten kann.

8. Februar 2021 - Badische Zeitung

Reichenbacher Schergässler feiern digitalen Zunftabend

Die Narrenzunft Schergässler aus Reichenbach hat ihren ersten digitalen Zunftabend abgehalten. Es war ein großer Erfolg mit einem ganz besonderen Auftritt.

In digitaler Besetzung: Das Buurequart...e für Stimmung bei den Schergässlern.   | Foto: Wolfgang Beck

In digitaler Besetzung: Das Buurequartett sorgte für Stimmung bei den Schergässlern. Foto: Wolfgang Beck

 

Fasent in völlig anderem Format: Der erste digitale Fasentspaß der Richebacher Schergässler flimmerte am Sonntag mehr als zwei Stunden lang über die Bildschirme. 850 Haushalte waren zeitweise dem Livestream zugeschaltet, bei dem die bekannten Akteure der Fasentzunft mit Oberzunftmeister Thomas Fischer beste Stimmung in die heimischen Stuben zauberten.

Die Vorbereitung
"Die Narren lassen sich nicht unterkriegen, mit guter Laune und Frohsinn werden wir auch Corona besiegen", reimten die Schergässler. Weitere Anweisungen folgten vor dem Narri-Narro-Spektakel am Bildschirm. Die närrischen Untertanen durften lesen, dass vor dem Gucken am Bildschirm die Getränke kühl gestellt, die Abendkleider gerichtet und vor Beginn noch ein Glas Sekt eingenommen werden sollte.

Das Programm
Pünktlich um 19 Uhr erfolgte der ultimative Klick auf die Homepage. Die Schergässler entfachten ein Narrenspiel, das mit Spaß und Lachern reich gespickt war. Nach der faustdicken Überraschung mit Ex-OB Wolfgang G. Müller und Baronesse Elke Oberg von Auerbach, die als Baronspaar eine pfiffige Antrittsrede hielten, brachte Tanja Mühlhaus, die seit ihrem 14. Lebensjahr auf närrischer Bühne steht mit einem gesanglichen Ohrwurm das digitale Zunftabendgeschehen musikalisch in Schwung. Narrenboss Thomas Fischer hielt in seiner ersten digitalen Antrittsrede telegen dem Narrenvolk den Spiegel vor, der Musikverein Reichenbach brillierte von zu Hause aus, während Rolf Hügel alias der "Lahrer Hinkende Bote" die kleine und große Politik in der Bütt aufs Korn nahm.

Was boten die Narren sonst noch?
Die Zuschauer an den heimischen Bildschirmen wurden aufgefordert, sich selbst in ihren närrischen Kostümen zu fotografieren und die Bilder der Zunft zu schicken. In einem Nachspann flimmerten dann Hunderte von Fotos der kleinen und großen Närrinnen und Narren über den Bildschirm. In einem Zoom-Meeting schalteten sich zur Überraschung der Zuschauer auch andere Narren, Zunfträte, Ehrenmützenträgerinnen, Moderatorinnen und Karikaturisten dazu: Im Small-Talk über die Fasent in Corona-Zeiten und kreative Umsetzungen unterhielten sich Lahrs OB Markus Ibert, BZ-Karikaturist Andreas Krellmann und Seelbachs Eulenzunftchefin Christiane Kupfer. Moderiert wurde das Ganze von Oberzunftmeister Thomas Fischer und dem Narrenfreund Helmut Dold, der als "de Hämme" Witze erzählen durfte.

Die Überraschung
Oberzunftmeister Fischer schüttelte ein Geheimnis aus dem Ärmel: Ein Fasentpfad am Schutterstrand soll entstehen. Er soll in der Narrenhochburg für Ersatz für die ausgefallen Veranstaltungen in der fünften Jahreszeit sorgen. Fischer ermunterte die Zuschauerinnen und Zuschauer, sich ab dem Schmutzigen Donnerstag in Reichenbach zu einem närrischen Spaziergang durch den Ort aufzumachen. An 18 Stationen auf vier Kilometern werde es viel Närrisches aus der Reichenbacher Fasent zu bestaunen geben, versprach er den Zuschauern.

Die größten Lacher
Viel Klamauk, Witz und Ironie versprühten die "Neuen" (Thomas Fischer, Armin und Gerd Furtwängler, Jürgen Glatz, Patrick Decker, Beate Maier), die auch im 25. Jahr ihres Bestehens als Kasperle-Figuren und Ohrwürmer für Furore sorgten. Ihre Lieder bestätigten: "Der liebe Gott hat Reichenbach zum Narrenfleck erklärt." Gesehen haben den lieben Gott die "Neuen" auf dem Lindenplatz. Warum? "Er war im Homeoffice!" Nicht minder komisch war das Buurequartett als Showband mit badischer Mundart in der digitalen Besetzung Timo Haag, Patric Bohy, Harry Gysler, Daniel Moser und Martin Dosch. Besonders komisch: Harry Gysler als Dichter Constantin Glutterli. Sein neues Buch: "Poesie isch für de Arsch".

Fazit
Zelebriert wurde die Fasent 2021 von der Schergässler-Mannschaft unter ganz besonderen Bedingungen im Pandemiejahr: digital und nicht ganz normal. Ein großer Erfolg in einer schwierigen Zeit.

7. Februar 2021 - Badische Zeitung

Am Sonntagabend steigt der erste digitale Zunftabend der Reichenbacher Schergässler

Am Sonntagabend um 19 Uhr präsentieren die Reichenbacher Schergässler ihren ersten digitalen Zunftabend. Eng verbunden mit dem Zunftabend sind die Reichenbacher Spatzen.
Die Reichenbacher Dorfspatzen bei ihre...ss, der Gründervater der Gesangsgruppe  | Foto: privat
Die Reichenbacher Dorfspatzen bei ihrem ersten Zunftabend 1962 im Adler-Saal in Reichenbach. Am Akkordeon Albert Weiss, der Gründervater der Gesangsgruppe Foto: privat
 
Die Tradition der Zunftabende in Reichenbach ist lang, am Sonntag ist bereits die 60. Veranstaltung. Und das wegen der Pandemie unter Ausschluss von Publikum und erstmals online. Die Auftritte wurden in den vergangenen Wochen an verschiedenen Orten aufgezeichnet, am Ende erwartet die Zuschauer ein zweistündiges Programm mit bekannten Akteuren. Auch einige Überraschungen sind angekündigt. Es war allerdings laut Oberzunftmeister Thomas Fischer kein leichtes Unterfangen, so Fischer rückblickend, für die Beiträge auf der digitalen Bühne die Freigabe der Musikverlage zu bekommen, die weltweit verstreut seien und ihr Okay für den einmaligen digitalen Auftritt am 7. Februar geben mussten. Aufnehmen lässt sich der Zunftabend im Übrigen nicht. Wer die Ausstrahlung heute Abend verpasst, schaut närrisch erst einmal in die Röhre.
Mit dem Reichenbacher Zunftabend eng verbunden sind die Reichenbacher Spatzen, die 1961 von Albert Weiss gegründet wurden. Viele Jahre haben sie die Veranstaltung mit ihren Liedbeiträgen mitgeprägt. Gerd Merz (82) erinnert sich an die ersten Gesangsproben im November 1961 bei Albert Weiss in der Burgstraße, die als Vorbereitung für den ersten Zunftabend in der anschließenden Kampagne im Adler-Saal in Reichenbach dienten. Merz spannt den Bogen von der Gründung der Dorfspatzen zum ersten digitalen Zunftabend. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die 1961 begann und zu etlichen Auftritten bei Zunftabenden im Adler-Saal und später in der Geroldseckerhalle führte. Aus den Dorfspatzen wurden die Reichenbacher Spatzen. "Wir haben alles dem Texter und Heimatkomponisten zu verdanken", sagt Merz über den Mitbegründer Albert Weiss, der in Spanien begraben liegt und im August 100 Jahre alt geworden wäre.
 
Etliche Spatzen-Shows wurden seit der Gründung bestritten und dabei lokale wie große politische Begebenheiten in einem halben Jahrhundert aufs Korn genommen. Die Spatzen schlüpften in die Rollen großer Sänger, Politiker und Sportler. Texter waren neben Albert Weiss auch Gerd Merz und Herbert Haag. Auftritte folgten nicht nur an der Fasent in Reichenbach, sondern darüber hinaus in der Region und im benachbarten Elsass. Ihren letzten Auftritt bestritt die Gesangsschar beim 55. Zunftabendjubiläum 2016 in der Geroldseckerhalle. Gerd Merz erinnert an die soziale Ader der Gesangsgruppe. Mit Rücksicht auf die Flutkatastrophe im Februar 1962 in Hamburg wurde auf den närrischen Umzug verzichtet. An Stelle des Umzugs zogen die Spatzen singend durch den Ort, um für die Flutopfer zu sammeln. Unvergessen sind die "Spatzennester" während der fünften Jahreszeit ab Mitte der 1980er-Jahre, abwechselnd in der Schreinerei Fischer in der Reichenbacher Hauptstraße, dann wieder ins "Merze Hof" in der Schergass‘. Die beim Narrenvolk beliebte Anlaufstation war eine Bereicherung der Fasent, so Merz rückblickend, und viele Jahre eine Anlaufstation für die Narren.
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