12. Januar 2015 - Badische Zeitung

3500 Narren im bunten Defilee

90 Zünfte vom Oberrhein und der Ortenau in Reichenbach: 3000 Zuschauer verfolgen das Spektakel unter blauem Himmel.

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Närrische Begegnungen beim großen Reichenbacher Narrenumzug Foto: HEIDI FÖSSEL

LAHR-REICHENBACH. Mit 3500 Narren aus 90 Zünften haben die Reichenbacher Schergässler gestern die fünfte Jahreszeit eingeläutet. "Der Herrgott muss ein Reichenbacher gewesen sein", hieß es gestern am Straßenrand. Etwa 3000 Zuschauer erwiesen den Narren ihre Reverenz, die in einem zweistündigen Defilee im bunten Häs durch die Narrenhochburg hüpften und tanzten.

Pünktlich zum Umzugsstart um 13.30 Uhr vertrieb Petrus die Wolken, aus denen es zuvor noch kräftig geregnet hatte. Unter blauem Himmel zogen die Narren aus allen Ecken und Enden der schwäbisch-alemannischen Fasent durch den Ort, in dem wenige Tage nach Dreikönig Ausnahmezustand herrschte. Der Musikverein Reichenbach gab als Minions verkleidet den Takt und den Rhythmus im großen Lindwurm an.

Die gelben Gestalten hatten mit ihren Instrumenten schon beim Empfang im Rathaus den Abordnungen der teilnehmenden Zünfte den Marsch geblasen. Die politische Prominenz mit Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, Bürgermeister Tilman Petters sowie dem Gesandten der kanadischen Botschaft in Berlin, Eric Walsh, ließ es sich nicht nehmen, mit in die Narrenlieder einzustimmen. Begrüßt wurden die Gäste von Ortsvorsteher Klaus Girstl und Schergässler-Boss Thomas Fischer. Die Überraschung war im Rathaus perfekt. Die Schergässler lösten ihr Versprechen der Cold-Water-Challenge auf närrische Weise ein. Dann gab es im Narrennest Reichenbach kein Halten mehr:

Ein nicht enden wollender närrischer Zug bot den Zuschauern am Straßenrand einen großen Einblick in das Brauchtum der schwäbisch-alemannischen Fasent. Die rund 90 Zünfte, Musikgruppen, Schalmeien und Guggemusiker kamen aus fast allen Ecken und Enden des Verbands am Oberrhein und aus der Ortenau. Größte Gruppe mit 150 Teilnehmern war die Narrenzunft Wehr, die im zweistündigen Defilee mit lautstarkem "Narri-Narro" begrüßt wurde. Hübsch anzusehen auch die Trommelwieber aus Villingen, die mit den Gränz-Pluderi-Waggis vom Hochrhein, den Bombacher Räwehupfer, den Gigili-Geister Munzingen und den Wueti-Weiber aus Duttlingen um die Gunst der Zuschauer buhlten.

Die aufgespannten Schirme der Narrenzunft Biberach konnten zugemacht werden. Sie wurden während des Umzugs nicht mehr gebraucht. Es wimmelte nur so von Schnecken, Hexen, und anderen Narro-Gestalten. Von der Schutterstraße aus zogen die Narren in die Reichenbacher Hauptstraße, dann über die Schergass und wieder zurück über die Hauptstraße zur Geroldseckerhalle, wo sich der Umzug auflöste und in ein großes Narrenfest mündete. Entlang der Umzugsstrecke herrschte an zahlreichen Buden und Ständen Hochbetrieb. An zwei Dutzend Stationen boten örtliche Vereine und Fasentgruppen auch nach dem Umzug noch Deftiges aus der Narrenküche.

10. Januar 2015 - Badische Zeitung

Eine der ältesten Gruppen

MENSCHEN UND MASKEN: Die Hofnarren machen fast drei Jahrzehnte Fasent in Reichenbach.

Im vergangenen Jahr waren die Reichenbacher Hofnarren bei der Fasent als Ringer unterwegs. Foto: ARCHIV: WOLFGANG BECK

LAHR-REICHENBACH. Die Hofnarren zählen zu den ältesten Fasentgruppen in Reichenbach. Den Namen Hofnarren hat sich die Gruppe erst 1995 gegeben, also genau vor zwanzig Jahren. Seit dieser Zeit begleitet sie ganz offiziell das Baronspaar der Schergässler in der Kampagne.

"Unsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", sagt Gründungsmitglied Nicole Weinrich-Dold. Das neue Kostüm werden die Hofnarren erstmals am Schmutzigen Donnerstag in der Schergass präsentieren. Bis dahin ist das Thema streng geheim. Gearbeitet wird hinter verschlossenen Türen, meist zu Hause bei einem der zwölf Mitglieder, erzählt Weinrich-Dold. Als Gruppe sind die Hofnarren erstmals 1987 aufgetreten. Da hatten sie noch keinen Namen. Der vor einigen Jahren getorbene Jürgen Himmelsbach war damals die treibende Kraft und trommelte ein Dutzend Gleichgesinnter zusammen, um das närrische Spektrum am Schutterstrand zu bereichern. "Knast außer Rand und Band" hieß das Motto der Gruppe, die als Sträflinge unterwegs waren.

Als 1995 zwei Gruppenmitglieder zum Baronspaar Tanja I. und Jens I. (Tanja Bähr und Jens Richter) avancierten, boten sich die Hofnarren als Gefolge an. Dabei konnte die Gruppe auf historische Vorbilder zurückgreifen: Hofnarren gab es im Mittelalter, sie fanden sich im ritterlichen Gesinde auf Burgen und an Fürstenhöfen. Für die Hofnarren galt schon immer Narrenfreiheit. In den zurückliegenden Jahren haben die Mitglieder ihr Motto immer wieder variiert. Sie traten als blutige Vampire auf, Vogelscheuchen, Armleuchter, Lachgummis, Mainzelmännchen oder Kasperle. Im letzten Jahr hatten sie sich als Olympioniken und griechische Göttinnen unter das närrische Volk gemischt, um dafür zu einzutreten, dass Ringen olympische Disziplin bleibt.

Morgen beim Narrentreffen ist die Gruppe auf ganz andere Weise gefordert: Einige Mitglieder sind in der Organisation eingespannt, sagt Nicole Weinrich-Dold, andere helfen als Umzugsbegleiter mit, stehen hinter einer Theke oder sind an Ständen und Buden im Einsatz. Die Kinder der Hofnarren freuen sich wie deren Eltern, dass es mit der Narretei jetzt los geht: Sie findet man im närrischen Lindwurm als Täfeleträger. Auch beim Zunftabend am 31. Januar sind die Hofnarren in Aktion: Sie stehen auf der Bühne, halten Narrenreden, machen Musik und sorgen dafür, dass der Auftritt der Nachwuchstanzgruppe der Minis und Maxis klappt.

2. Januar 2015 - Badische Zeitung

Reichenbacher Schergässler eröffnen Fasent 2015

Los geht’s mit dem närrischen Programm: Die Narrenzunft der Scherrgässler aus Reichenbach rechnet bei ihrem großen Narrentreffen am 11. Januar mit 3500 Teilnehmern.

Die Scherrgässler freuen sich auf die fünfte Jahreszeit. Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Wenn Sektkorken und Böllerreste aus der Silvesternacht zusammengefegt und die Christbäume entsorgt sind, steht für die Narrenzunft der Schergässler ein närrisches Großereignis vor der Tür: Rund 3500 Teilnehmer werden am Sonntag, 11. Januar zum großen Narrentreffen am Schutterstrand in Reichenbach erwartet. "Die Schergässler stehen in den Startlöchern", sagte Oberzunftmeister Thomas Fischer zum Großereignis. Bereits vor Wochen haben die Reichenbacher Verantwortlichen der Zunft das Narrenvolk darüber in Kenntnis gesetzt, dass es im neuen Jahr bald mit dem närrischen Programm losgehen wird. In aller Eile wurden bereits im Oktober Einladungen für den großen Zunftabend verschickt, der – man traute seinen Augen kaum – am Samstag, 31. Februar 2015, in der Geroldseckerhalle stattfinden sollte. "31. Februar?" Haben die Schergässler die fünfte Jahreszeit stillschweigend verlängert, so die Vermutung des Briefadressaten, weil die Fasnacht in diesem Jahr so kurz ist? Schelmisches traut man den Schergässlern in der Narrenhochburg Reichenbach ohnehin zu! "Mitnichten", korrigierte der Narren-Boss Thomas Fischer den Patzer bei den ersten Rundbriefen vom Oktober. "Wir haben es zu spät bemerkt und die weiteren Schreiben dann aber korrigiert", so die Antwort aus der närrischen Schaltzentrale der Zunft. Damit ist klar, dass der Zunftabend, für den die Geroldseckerhalle fast ausgebucht ist, am 31. Januar 2015 stattfindet. Beginn ist übrigens um 19.30 Uhr.

Bereits am Sonntag, 11. Januar 2015 steht die Narrenhochburg Reichenbach im Blickpunkt der Narren aus allen Ecken und Enden der Oberrheinischen Zünfte. Um 12 Uhr laden Ortsverwaltung Reichenbach und die Fasentzunft "Die Schergässler" zu einem Empfang der Gastzünfte ins Rathaus ein. Um 13.30 Uhr startet der Reichenbacher Fasentumzug mit 3500 Teilnehmern durch den Ort. Wegen der großen Teilnehmerzahl musste der Umzugsbeginn auf 13.30 Uhr vorverlegt werden, so Fischer. Die Geroldseckerhalle ist geöffnet und wird von der Fasentzunft bewirtet. Darüber hinaus sind über ein Dutzend Vereine und Dorffasentgruppen mit einem Stand entlang der Umzugsstrecke vertreten. Die Aufstellung der Narren findet im Bereich Schutterstraße, Schindelstraße, Adler- und Fronmattenstraße statt. Die Umzugsstrecke beginnt ab Einmündung Schutterstraße in die Hauptstraße (bei Metzgerei Fabry) und führt über die B415 Richtung Schönberg bis zur Alten Landstraße (Schergass‘). Weiter geht es durch die Schergass‘ über den Lindenplatz und die Gereutertalstraße wieder zur B415. Der Narrentross löst sich nach einer Abzweigung in die Sportplatzstraße im Bereich des Parkplatzes der Geroldseckerhalle wieder auf. Die Ehrentribüne befindet sich vor dem Hotel-Restaurant Adler.

Die närrischen Tage werden dann am Schmutzigen Donnerstag, 12. Februar, fortgesetzt: Narrenbaumstellen am Lindenplatz, Rathausstürmung, Hemdglunkerumzug und Narrentreiben im Ort mit Hemdglunkerball im Nörgler schließen sich an. Am Fasnachts-Sonntag, 15. Februar, geht es in der Schergass‘ hoch her: Um 11 Uhr wird der Schergassen-Jahrmarkt am Lindenplatz offiziell eröffnet. Ein großes Showprogramm findet auf einer Bühne vor dem Nörgler statt. Am Rosenmontag (16. Februar) wird der Schergassen-Jahrmarkt um 11 Uhr fortgesetzt. Um 14 Uhr setzt sich der Kinderumzug in Bewegung. Abschluss ist an der Showbühne vor dem Nörgler. Die Fasent wird am Fasentdienstag (17. Februar) auf dem Lindenplatz um 20 Uhr verbrannt.

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