03. März 2014 - Badische Zeitung:

Konzept belebt Dorffasent in der Hall neu

500 Narren waren begeistert.

Fröhlich feierten die Narren bei der Dorffasent. Foto: Heidi Fössel

LAHR-REICHENBACH (wob). Die heiße Nacht am Schutterstrand ist tot. Es lebe die Dorffasent in der Hall. Das Konzept der Vereinsgemeinschaft Reichenbach, die Hallenfasnacht am Fasnachtssamstag für Einheimische neu zu beleben, scheint aufgegangen. Etwa 500 kostümierte Besucher waren begeistert.

Noch am Samstagabend gegen 20 Uhr verteilten sich wenige Narren an kleinen Tischen in der komplett umgeräumten Geroldseckerhalle. An einer Wein-Trotte im hinteren Teil herrschte geschäftiges Treiben dort bei den Mitgliedern des Familien- und Freizeitbads. Gegenüber war die Schutter-Bar aufgebaut. Hinter dem Tresen emsige Harmonikaspieler, die statt mit den Tasten ihres Akkordeons mit Korkenziehern hantierten.

Größter Anziehungspunkt war der Bierstand von Männergesang- und Schwarzwaldverein. Die Bierzapfer hatten alle Hände voll zu tun. Auf einer zusätzlichen Bühne hantiert DJ Hörnle alias Thomas Uhl am Mischpult, um mit Musik für Stimmung unter den Narren zu sorgen. Hoch über ihm flimmern Erinnerungs-Fotos der Richebacher Fasent über die Leinwand. Es werden Bilder von Umzügen mit unzähligen Fasentgruppen gezeigt – von den Hofnarren und Schorlewieber über die Schierebaschtler und Heiße Sohlen bis zu den Zueglofeni und Scharfen Hüpfer. Sie beweisen, dass es seit den 1950er-Jahren mit der närrischen Vielfalt am Schutterstrand stets aufwärts gegangen ist. Reichenbach als Narrenhochburg wird auf der Leinwand lebendig, nicht wenige bleiben vor der Bühne stehen, um sich in der Foto-Show vielleicht zu entdecken.

Gegen 21 Uhr begrüßte Julius Benz von der Vereinsgemeinschaft die auf rund 250 Besucher angewachsene Narrenschar. Das Baronspaar der Schergässler Gitte I. und Gerold I. schaute ebenfalls vorbei und begrüßte seine närrischen Untertanen. Die Reichenbacher Schutterschlurbi machten sich mit ihren Guggen lautstark bemerkbar und rissen das närrische Volk mit.

Auf dem Höhepunkt der Dorffasent in der Hall bebte die Geroldseckerhalle, 500 närrische Besucher feierten die Faent. Narren vergnügten sich beim Tanzen und beim Singen. Die Tanzgruppe der Maxi-Minis holte den Karneval aus Venedig noch einmal auf die Bühne. DJ Hörnle versorgte das Publikum mit rockigen Hits, während das Buurequartett mit Blödeleien und Ohrwürmern musikalisch nachlegte. Kollektiv wurde das Lied "Wenn in der Schergass Johrmärkt isch" angestimmt. Doch darauf müssen die Narren noch 365 Tage warten.

03. März 2014 - Badische Zeitung:

Wie ist es eigentlich ein Fasentnarr zu sein? (Teil 3)

"Es geht Schlag auf Schlag"

Günter Singler als „Auswanderer“ bei der Dorffasent in der Hall. Links Ehefrau Martina, rechts Schwester Martina Gür, beides Schierbeaschtler und ebenfalls als „Auswanderer“ verkleidet. Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Günter Singler ist ein Fasentnarr durch und durch. Der 49-Jährige ist bei den Schergässlern und bei der Fasentgruppe der Schierebaschtler aktiv. Die Badische Zeitung begleitet ihn während der Fasent vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasnachtsdienstag. BZ-Mitarbeiter Wolfgang Beck hat ihn bei der Dorffasent als "Auswanderer" in der Geroldseckerhalle entdeckt.

"Ich staune über meine Kondition. Doch richtige Narren wie wir Schergässler halten auch mit wenig Schlaf durch. Weicheier haben auf unserer Fasent nichts verloren. Der Samstag hat erneut alles von den Schierbaschtlern abverlangt. Vor allem bei der Dorffasent am Samstag in der Hall. Aber vor dem närrischen Vergnügen in der Geroldseckerhalle haben wir als Schergässler beim großen Umzug in Biberach teilgenommen. Bei herrlichstem Wetter haben wir in stärkster Besetzung einen bunten Farbtupfer im närrischen Lindwurm gesetzt. Wir waren um die 100 Leute, darunter die Schergässler im Häs, der Zunftrat und unser Narrensamen, es war ein herrliches Bild. Dann ging es Schlag auf Schlag weiter: Hörnerkapp runter, Schergässler-Häs raus, duschen und Herrichten fürs nächste närrische Spektakel: Wir Schierebaschtler haben uns darauf geeinigt, tief in die Kiste der Narrenkleider zu greifen. Herausgezogen haben wir für die Dorffasent in der Hall ein Narrenkleid von 2006. Da waren wir als "Auswanderer" unterwegs. In diesen Kostümen haben wir uns am Samstag unter die anderen Narren in der Geroldseckerhalle gemischt. Ich war angenehm überrascht von der tollen Atmosphäre in der Halle. Das Ambiente hätte nicht besser sein können. Treffpunkte für die Schierbaschtler gab es viele: an der Biertheke, an der Weintrotte und an der Schutterbar. Herrlich waren die alten Weinfässer, die zu Tischen umfunktioniert worden sind. Die Vereinsgemeinschaft und die beteiligten Vereine haben da ganze Arbeit geleistet. Fasziniert haben wir auf die große Leinwand in der Halle gestarrt, um uns beim Fotorückblick auf den Bildern "Fasent in Reichenbach" zu entdecken. Die Jahre sind dahingeflogen, die Fasent, das Brauchtum, der Spaß in der fünften Jahreszeit sind geblieben. Es ist einfach toll. "Auswanderer", so unser Thema, kehren gern wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Es ist schön, die vielen Reichenbacher, Jung und Alt, in den Kostümen zu sehen. Zwischen Richebacher Schutterschlurbi mit fetziger Guggemusik, Buurequartett und Maxi-Minis, die uns mit ihrem Tanz nach Venedig entführten, wird jetzt zur Musik von DJ Hörnle getanzt, was das Zeug hält. Das gibt ordentlich Kondition für den Sonntag, wenn wir nach dem Besuch in der Baronstrotte beim großen Umzug durchs Dorf ziehen. Dann sind wir wieder die aktuellen Schierebaschtler, die das kommunalpolitische Thema Landesgartenschau und Stegmattensee auf ihre Fahnen geschrieben haben. Mit viel Humor, Witz und Ironie tauchen wir da als Baggerführer auf. Den Wolfgang-See haben wir dabei. Wie immer haben wir natürlich herrliches Umzugswetter gebucht. Petrus ist eben ein Richebacher…"

01. März 2014 - Badische Zeitung:

Wie ist es eigentlich ein Fasentnarr zu sein? (Teil 2)

"Wer baggert so spät noch?"

Günter Singler Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Günter Singler ist ein Fasentnarr durch und durch. Der 49-jährige Physiotherapeut ist in der fünften Jahreszeit aktiv bei den Reichenbacher Schergässlern und in der Fasentgruppe der Schierebaschtler. Die Badische Zeitung begleitet ihn vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Fasentdienstag. BZ-Mitarbeiter Wolfgang Beck hat ihn in der heißen närrischen Phase als Baggerführer bei den Schierebaschtlern entdeckt.

"Mit dem Thema Wolfgang-See sind wir super angekommen. Selbst unser OB, den wir auf unserer närrischen Tour am Schmutzigen Donnerstag durch Reichenbach angetroffen haben, hat sich als Firmenchef von ’Müller-Bau’ mit uns gefreut und den Spaß der Schierebaschtler zum Stegmattensee und zur Landesgartenschau mitgemacht. Als Baggerführer kennen wir ihn vom ’Goldenen Winkel’, wie er majestätisch vor einem Jahr etwa den Spatenstich vollzogen hat. Dass er in der Linde mit unserer Persiflage über den ’Wolfgang-See’ so spontan mitgemacht hat, erlebt man nicht alle Tage. Wir sind zur Hochform aufgelaufen, den Narren im Saal hat’s gefallen. Das war einfach toll, wie wir mit zehn Baggern in Miniaturformat, in gelben Stiefeln, blauen Hosen und Helm angerückt sind, um den ’Lago di Wolfgang’ in Stegmatten auszubaggern. Im Tross zwei Vertreterinnen des ’Kies-Fördervereins’, die Kies vom See verteilten. Zum Bedauern von unserem OB hat’s dafür allerdings keinen Cent gegeben. Die wochenlangen Arbeiten in der Scheune von Thomas und Andrea Schillinger, die kurzerhand zur Werkstatt umgebaut wurde, sind der NSA und den anderen ’Spionen’ im Ort verborgen geblieben. Man muss wissen, dass keiner der zwei Dutzend Fasentgruppen, die am Schmutzigen Donnerstag im Ort unterwegs sind, vorher etwas von ihren Einfällen preisgibt. Im Getümmel der in den Lokalitäten pausenlos anrückenden Fasentgruppen haben wir unsere Kehlen mit Radler und Schorle gut geölt, um unseren Fasenthit unters närrische Volk zu bringen: "Wer baggert so spät noch am Baggerloch, das ist Wolfgang mit dem Bagger und er baggert noch." Mit nassen Bauarbeiter-Klamotten (weil es abends pausenlos geregnet hat) und leicht ramponierten Baggern haben wir um drei Uhr morgens die Kurve gekratzt. Vorbei an Hemdglunkern und Fasentgruppen, die in diesem Jahr in großem Stil viele neuen Ideen entwickelt haben. Auf einem Gruppenfoto hat uns Narren-Paparazzo Reinhard Pelzer zur fortgeschrittenen Stunde am Lindenplatz noch fotografiert. Die Nacht war kurz, versteht sich, aber ich bin natürlich für neue Späße bereit.

Für heute ist erneut Arbeitseinsatz der Schierebaschtler angesagt: Kleine Ausbesserungsarbeiten stehen an, dann werden die Bagger zu Reinhold Meier gebracht, bei dem die Requisiten für den Fasentumzug morgen am Fasentsonntag deponiert werden. Mit der Gruppe und dem gleichen Thema sind wir im närrischen Lindwurm zu sehen. Dabei setzen wir noch eins drauf: Als Fußgruppe haben wir den ’Wolfgang-See’ dabei, um den herum wir einen Strand angelegt haben. Heut verbringe ich den Ausklang mit meiner Familie in der "Linde". Bei Schnitzel und Pommes. Die Stärkung muss sein, es folgen noch harte Tage bis Fasentdienstag.

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