31. Januar 2020 - Badische Zeitung

Mit Zylinder und hölzernem Bein

MENSCHEN UND MASKEN: Tanja Mühlhaus und Rolf-Dieter Hügel glossieren in Reichenbach seit vielen Jahren das politische Leben .

Rolf-Dieter Hügel gibt den Lahrer Hinkenden Boten.  | Foto: Heidi Fößel

Rolf-Dieter Hügel gibt den Lahrer Hinkenden Boten. Foto: Heidi Fößel

LAHR-REICHENBACH. Die Kabarettistin Tanja Mühlhaus und der Lahrer Hinkende Bote Rolf-Dieter Hügel sind zwei Figuren der Narretei, die in die Bütt steigen und mit scharfer Zunge das politische Leben glossieren. Sie sind auch beim 59. Zunftabend der Schergässler am Samstag, 8. Februar, in der Geroldseckerhalle mit von der Partie, wenn vor 500 Gästen ein fünfstündiges Non-Stop-Programm über die Bühne geht.

Tanja Mühlhaus
Bereits mit zwei Jahren schlüpfte Tanja Mühlhaus in das Häs der Schergässler. Da hieß sie noch Tanja Bähr. Mit sechs Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt beim Kinderball. "Wir sind die Tramps vom Schuttertal", trällerte sie mit Tanja Zehnle von der Bühne. Später kam die Straßenfasent in der Gruppe der Hofnarren dazu. Bereits mit 15 Jahren ging sie mit Henriette Schüssele auf die Bühne. 1995 bestritt sie als Baronin Tanja I. an der Seite von Jens I. (Jens Richter) die Kampagne. Auch lieferte die heutige Realschullehrerin einige Jahre mit ihrer Mutter Irene ein närrisches Programm ab. Seit 2000 begeisterte sie als Solistin mit Satire, witzigen Parodien und treffenden Melodien alleine das Publikum. Der närrische Rückblick im Spiegel der großen und kleinen Politik ist bis heute ihr Programm. Man kennt sie sofort, wenn sie im schwarzen Frack, Zylinderhut und Federboa mit rockigen Tönen in die Halle kommt. Ein Notenständer ist ihre Bütt, ein Mikrofon ihr Sprachrohr. Verbale Attacken gegen die Großen gehören zu ihr wie die Gesellschaftskritik an den Missständen rund um den Erdball. Das gesprochene und gesungene Wort stammen aus eigener Feder. Musikalisch begleitet wurde die 46-Jährige in der Vergangenheit von der Elz-River-Band, den Auberg-Musikanten, den Skunks und seit fünf Jahren von Reiner M. Kammerer. Die Mischung aus Satire, Witz und Humor kommt bestens an, Tiefschläge unter die Gürtellinie sind nicht das Ding der "Grande Dame" der Reichenbacher Fasent.
Rolf-Dieter Hügel
Seit elf Jahren ist Rolf-Dieter Hügel in der Figur des Lahrer Hinkenden Boten auf der närrischen Bühne unterwegs. Schon 2009 hat sich der Krankenpfleger im Ruhestand als Büttenredner eingeführt. Damals sagte er: "Seit 220 Jahren bin ich euer Begleiter, in Kultur und Politik ein gerechter Streiter. Kritik zu üben ist meine Pflicht, und davor drücke ich mich nicht." Mittlerweile ist der 67-Jährige, der aus Rastatt stammt, eine feste Größe bei den Zunftabenden in der Geroldseckerhalle. Ein weiterer Auftritt steht jetzt bevor. Seit 1965 war Hügel Mitglied in der "Kleinen Narrengesellschaft Rastatt". Dort stieg er bereits mit 13 Jahren in die Bütt. In diesem Jahr kommt er auf 55 Jahre Mitgliedschaft in der Narrengesellschaft, seit zwei Jahrzehnten ist er bei den Schergässlern in Reichenbach aktiv. Die Idee, den Lahrer Hinkenden Boten zu spielen, kam Hügel in Rastatt. Die Figur, wie er sagt, sei abgeleitet vom Goldenen Mann im Barockschloss Rastatt, der jährlich vom Schloss heruntersteigt und als Symbolfigur der Großen Karnevalsgesellschaft berichtet, was er das Jahr über gesehen hat. Dass Hügel an die Uniform des Kalendermanns kam, sei einem glücklichen Umstand zu verdanken: Denn die original napoleonische Uniform des Hinkenden Boten gehört dem Kaufmann Verlag in Lahr, für das närrische Spektakel leiht er sie sich aus und betritt passend dazu mit hölzernem Bein die Bühne. Seine Sozialkritik richtet sich gegen die große und kleine Politik, gegen die Missstände auf der Welt und vor der eigenen Haustür.

18. Februar 2019 - Badische Zeitung

Großer Zunftabend der Schergässler am Samstag in der Geroldseckerhalle

500 begeisterte Untertanen bewiesen Sitzfleisch

maximinis  | Foto: Wolfgang Beck

Foto: Wolfgang Beck

LAHR-REICHENBACH. Fasnacht ist ein Lebensgefühl - und was für eines! Das haben knapp 100 Akteure beim 58. Zunftabend der Schergässler am Samstag in der Geroldseckerhalle bestens unter Beweis gestellt. In einer fulminanten Bühnenschau, die als "Hochamt der Narretei" vor 500 Untertanen nicht besser hätte zelebriert werden können, ließen es die Protagonisten vom Schutterstrand so richtig krachen. Für einen Abend der Extraklasse und guten Laune sorgte die Minis und Maxis mit ihren Tanzformationen, die Blödelbarden vom Buurequartett, die Neuen, der Lahrer Hinkende Bote, die Richebacher Tratschwieber, Tanja Mühlhaus mit ihrem Jahresrückblick und Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller, der ebenfalls in die Bütt stieg und sich als Pensionär im Wartestand mit launigen Schüttelreimen dem närrischen Volk präsentierte.

Die rund 100 Akteure sprachen im Fünf-Stunden-Programm dem Narrenvolk aus dem Herzen. Die Untertanen des frisch gekürten Baronspaars Thomas IV und Katja II erwiesen den Schergässlern ihre Reverenz: Darunter füllte viel Politprominenz die restlos ausverkaufte Geroldseckerhalle. Das närrische Volk hatte sich am Samstag kräftig in Schale geschmissen, um den Galaabend mit einem ausgefeilten Bühnenprogramm zu erleben. Sie wurden belohnt: Fasent-Kracher wurden im Minutentakt serviert, der Abend bot Kurzweil auf hohem Niveau. Geschliffene Büttenreden wechselten sich ab mit witzigen Parodien, mit Musik, Tanz und Klamauk auf der Bühne. Schon die Mini-Minis ernteten mit einer Persiflage über den Berliner Flughafen viel Beifall. Dann stieg zur Überraschung des Narrenvolks Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller selbst in die Bütt, um sich vom Narrenvolk zu verabschieden. Als Pensionär im Wartestand ("Rente gut, alles gut") brachte er so manchen Kracher unters Volk, die mit der Erkenntnis endeten, dass es nichts Schöneres gebe als Schwänke aus einem Seniorenleben.

Nach dem klassischen Schergässler-Formationstanz humpelte der Lahrer Hinkende Bote einbeinig in die Bütt, um die Lage der Nation kritisch zu beleuchten und dem Narrenvolk den Spiegel vorzuhalten. Der Kalendermann nahm die große und kleine Politik aufs Korn. Zur musikalischen Höchstleistung lief das Buurequartett auf. Ob mit einer Ramstein-Persiflage im Heavy-Metal-Stil, Gesangs-Blödeleien von Fiffy-Albatros bis zum Hit "Advent, Advent, ein Windrad brennt" zogen die fünf Blödelbarden alle Register ihres Könnens, mit dem sie einmal mehr unter Beweis stellten, dass ihnen der Schalk im Nacken sitzt. Ähnliches trifft auch auf die Richebacher Tratschwieber zu, die mit einem ganzen Bündel an Anekdoten und Episoden das Neueste aus dem Dorf zu erzählen wussten. Politische Raffinesse, versprüht mit viel Charme, Witz und beste Unterhaltung, verriet auch der Jahresrückblick von Tanja Mühlhaus. Das Energiebündel, das musikalisch von Reiner Kammerer (am Keyboard) begleitet wurde, hatte das Herz am rechten Fleck, persiflierte wortreich mit witzigen Parodien und gesanglichen Akzenten das große und kleine Weltgeschehen und attestierte Wolfgang G. Müller, Lahr mit der Landesgartenschau noch attraktiver gemacht zu haben.

Beste Performance steuerten auch die Maxi-Minis für den großen Zunftabend bei. Nach Abba-Klängen und Hits der 80er-Jahre, die dem Publikum nicht unbekannt waren, setzten die Neuen im 22. Jahr ihrer Bühnenschau als Enten verkleidet das närrische Geschehen fort. Sie watschelten in Sechser-Formation über die Bühne, parodierten, was das Zeug hielt. Ihre Botschaft war ein weiterer Beleg für einen gelungenen Galaabend: Die Fasent ist ein Lebensgefühl. Durchs närrische Programm führten Thomas Fischer, Armin Furtwängler und Jens Jägle-Enders. Für musikalische Stimmungseinlagen sorgte die Zunftabend-Band die Skunks AT. Mystik, Magic und Zauberei servierte eine Tanzgruppe aus Sexau. Ein farbenprächtiges Bild bot das große Finale, bei dem das Narrenvolk den Akteuren großen Beifall spendete, ehe in den frühen Morgenstunden ein Ballonregen von der Bühnendecke das närrische Spektakel in der Narrenhochburg Reichenbach beendete.

 

12. November 2018 - Badische Zeitung

Großer Heißhunger im Zunftlokal Nörgler

Eine Drei-Zentner-Sau wurde beim Schlachtessen verarbeitet.

Peter Bleicher sorgte mit Ehefrau Iris.... Hungrig musste niemand aufstehen.     | Foto: heidi fössel

Peter Bleicher sorgte mit Ehefrau Iris dafür, dass auf die Teller richtige Portionen kamen. Hungrig musste niemand aufstehen. Foto: heidi fössel

LAHR-REICHENBACH. Wenn die Narrenzunft der Schergässler zum Schlachtessen ruft, herrscht Hochbetrieb im "Nörgler". So war es auch am Samstag. Kurz nach Mittag wurde die Schlange bei der Essensausgabe länger und länger. Entspannt lehnte sich Oberzunftmeister Thomas Fischer zurück: "Die Schlacht ist geschlagen." Die fast Drei-Zentner-Sau lieferte über 160 Essen für die hungriger Mäuler. Dazu gab es Most und ein Schnäpsle obendrein. Erstmals war der Narrenboss bei der Portionierung der Blut- und Leberwürste dabei. Die erfolgte traditionsgemäß in der Wurstküche von Jürgen und Annerose Wieseke im Messmersgrund. Um sieben Uhr, kurz nachdem das Objekt der Begierde auf die Schlachtbank geführt worden war, hieß es bei den Schergässlern Ärmel hochkrempeln und in die Hände spucken. Das Ritual war das gleiche, wie in den Jahren zuvor: In den frühen Morgenstunden führten die Schergässler eine Sau auf die Schlachtbank von Landwirt Dorner in Kippenheimweiler. Das eingespielte Team mit Jürgen Wieseke und Sohn arbeitete wieder Hand in Hand, um pünktlich zur Mittagszeit die hungrigen Mäuler im "Nörgler" zu stopfen. Vor dem Zunftlokal dampfte am Samstag der Kessel, Rauch zog durch den langen Schornstein.

Als die ersten Gäste kurz nach zwölf Uhr das Zunftlokal betraten, stieg ihnen der unvergleichliche Duft von Kesselfleisch und Metzelsuppe in die Nase. Am Ende wurden 160 Essen ausgegeben, freute sich Oberzunftmeister Thomas Fischer. Neben dem Kesselfleisch durften die Blut- und Leberwürste nicht fehlen, der feine Kartoffelbrei, die schmackhafte Soße und das gut gewürzte Sauerkraut, für dessen Zubereitung Ehrenzunftrat Peter Bleicher mit seiner Frau Iris seit Jahren zuständig ist. "Das schmeckt alles wieder ausgezeichnet", urteilten auch die Ortsvorsteher von Kuhbach und Reichenbach, Norbert Bühler und Klaus Girstl. Keiner wollte am Samstag den opulenten Festschmaus im Zunftlokal verpassen. Nicht fehlen durften die flüssigen Zutaten, die das Essen abrundeten: Ein Glas Moscht und als Verdauerle ein Schnäpsle aus heimischer Ernte gehörten dazu. Im Nu waren die 160 Portionen verspeist. Anschließend bestand in geselliger Runde genügend Zeit, Pläne für die bevorstehende fünfte Jahreszeit zu schmieden, in der es bei den Schergässlern wieder hoch hergehen wird. Vorausgeschaut wurde auf den Zunftabend am 16. Februar in der Geroldseckerhalle, in der laut Auskunft der Schergässler der Vorverkauf für die über 500 Sitzplätze bereits angelaufen ist.

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