1. Dezember 2020 - Badische Zeitung

Die Schergässler lassen den Zunftabend digital stattfinden

Die Fasentzunft der Schergässler in Lahr-Reichenbach will an Fasent 2021 den Zunftabend nicht ausfallen lassen – und bietet Ende Januar digital eine Veranstaltung an.

Die Reichenbacher Schergässler-Zunft  | Foto: Verein

"Es hat gut geklappt, wie es sich für richtige Narren gehört", so Oberzunftmeister Thomas Fischer von den Schergässlern nach dem ersten Online-Treffen mit 15 Vereinen und Dorffasentgruppen. Statt standesgemäßer Präsenzzusammenkunft im "Nörgler", gab es am Donnerstag erstmals eine Konferenzschalte am heimischen Computer mit dem Ziel, die Narrenschar auf die fünfte Jahreszeit 2021 einzustimmen.

Thomas Fischer war sichtlich zufrieden angesichts der hohen Teilnehmerzahl. Vier Vereinsvertreter und acht Dorffasentgruppen waren die digitalen Akteure beim Online-Meeting. "Ein Austausch auf diese Art war in Pandemiezeiten optimal", so die Meinung der Teilnehmer am Ende der digitalen Zusammenkunft. "Die Fasent findet in Reichenbach auf jeden Fall statt", so die Narrenbosse mit Blick auf die Kampagne 2021 und einem ernst gemeinten Zusatz von Fischer: "Aber eben auf eine andere Art und Weise." Gemeint war das Einhalten der geltenden Verordnungen in Corona-Zeiten: "Wir zeigen Präsenz vom Schmutzigen Donnerstag bis Aschermittwoch", prophezeite der Oberzunftmeister, der darüber informierte, dass in der Narrenhochburg Reichenbach die Fasentbändele ebenso aufgehängt werden wie daran gedacht sei, einen Narrenbaum zu stellen. Von den Reichenbacher Narren wünschte sich Thomas Fischer, dass sie an den närrischen Tagen kostümiert durch den Ort ziehen.

Gespannt verfolgten die Aktiven den aktuellen Planungsstand der Schergässler. Was geht an Fasnacht, was nicht? Wie bereits berichtet, werden Zunftabend, Umzug am Fasnachtssonntag und Kinderball am Rosenmontag ausfallen. "Auch Veranstaltungen in den Räumen des Zunftlokals Nörgler wird es an der kommenden Fasnacht nicht geben", so Fischer. Er hatte aber auch positive Überraschungen parat, was unabhängig vom Infektionsgeschehen am Schutterstrand närrisch geht und was nicht: So soll der Zunftabend der Schergässler am 30. Januar 2021 digital stattfinden. "Wie soll das denn abgehen?", wollten einige der Teilnehmer des Online-Meetings wissen. Die Organisatoren im Vorstand der Schergässler wussten eine Antwort. So soll der Zunftabend mit bekannten Akteuren, vorproduzierten Einspielern und mit einer Live-Moderation Frohsinn in die Wohnzimmer bringen. Fischer: "Durch bestimmte Komponenten soll auch das Publikum vor den Bildschirmen in den Zunftabend eingebunden werden."

Mit der Fasentzeitung soll es außerdem ein Stück närrisches Brauchtum geben. Lustige Geschichten des vergangenen Jahres werden allerdings noch gesucht, so die Auskunft. Letztlich wurde auf ein Projekt hingewiesen, das von einem Arbeitskreis vorbereitet wird und als "großes Geheimnis" angekündigt wurde. Nur so viel verriet Fischer: "Es ist eine Aktion unter freiem Himmel." Die Auflösung soll es kurz vor den Fasenttagen geben. Klar war nach dem digitalen Treffen, dass die Pflege des närrischen Brauchtums in Reichenbach auch in einer Pandemie nicht ganz heruntergefahren wird. "Wir rüsten uns für eine Fasent der anderen Art", so die Verantwortlichen. Ein weiteres Online-Treffen soll es Ende Januar geben.

15. November 2020 - Lahrer Zeitung

Deftiges Schlachtfest im "Nörgler"

Heiß begehrt waren die von den Schergässlern am vergangenen Samstag angebotenen Schlachtplatten. Foto: Vögele

Reichenbach (av). "Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen": Getreu dieser alten Volksweisheit handelte die Reichenbacher Fasentzunft "Schergässler" am vergangenen Samstag. Alles dürfe doch nicht durch die Corona-Beschränkungen den Gereutertalbach hinunter schwimmen. Denn neben vielen Veranstaltungen jeglicher Art stand auch das beliebte Schlachtfest auf der Kippe. Doch die findigen Schergässler machten aus der Not eine Tugend: Zwar ist es nicht möglich, in geselliger Runde das traditionelle Schlachtfest im Nörgler zu feiern. Doch die kulinarischen Genüsse sollten den Freunden der Richebacher Fasent nicht vorenthalten werden.

So hatten sie noch einmal "Schwein gehabt" – im wahrsten Sinn des Wortes. Die Fasentzunft hatte zum 19. Mal zu diesem herbstlichen Ereignis eingeladen. In aller Früh waren Jürgen und Matthias Wieseke mit einigen Ehrenzunfträten bei der Arbeit, viele Helferhände wurden gebraucht: zum Schlachten und als Küchenpersonal. Es galt, Zwiebeln und Knoblauch zu schneiden, Kartoffeln zu schälen und alles vorzubereiten. Da in den Räumen kein Publikumsverkehr herrschte, konnten die Hygienevorschriften mühelos eingehalten werden. Dank dieser tatkräftigen Mithilfe konnten nach traditioneller Art die Schlachtplatten mit üppigen kräftigen Speisen wie Metzelsuppe, Kesselfleisch, Blut- und Leberwurst, Kartoffelpüree und Sauerkraut angeboten werden. Zur Mittagszeit reihten sich die Interessenten geduldig in die vorgeschriebene Reihe, um den nötigen Abstand einzuhalten und gesittet auf die Ausgabe der deftigen Schlachtplatten zu warten.

Zu früheren Zeiten fanden im Spätherbst nahezu in jedem Haus und Hof des Dorfes – wie überall im Schwarzwald – Hausschlachtungen statt, um für den langen Winter mit "Schweinerem" gerüstet zu sein. Viele erinnerten sich an die unzähligen Vorbereitungen, das Einkaufen seltener Gewürze wie Koriander oder Majoran, die Aufregung, wenn der Hausmetzger anrückte und beim Schlachten Kinder manche Tränen vergossen, es sich aber dennoch hinterher bei der "Metzelsuppe" gütlich taten. Heute sind diese deftigen Schlachtfeste mit ihrem geschäftigen Treiben und ihren Spezialitäten kaum noch zu finden. Oberzunftmeister Thomas Fischer dankte allen, die zum Gelingen des Schlachtfests und vor allem auch für die keine Wünsche offen lassende Güte der Spezialitäten beigetragen hatten.

7. November 2020 - Badische Zeitung

"Eine freudvolle Fasent ohne Risiko"

CORONA UND DIE VEREINE – heute: Oberzunftmeister Thomas Fischer von den Schergässlern

Die Corona-Pandemie schränkt das öffentliche Leben ein. Vor allem Vereine sind betroffen. Die Badische Zeitung fragt nach, welche Konsequenzen die Krise hatte und noch hat, wie die Vereine darauf reagierten und wie sie die weiteren Perspektiven sehen. Heute: Thomas Fischer, Oberzunftmeister bei den Schergässlern in Reichenbach.

Thomas Fischer  | Foto: privat

Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf das Vereinsleben? Nach der Fasentsaison 2020, die wir vor dem ersten Lockdown noch über die Bühne bringen konnten, ist das Vereinsleben im Frühjahr und Sommer für mehrere Wochen zum Erliegen gekommen. Die Hauptversammlung wurde im September unter strengen Hygieneauflagen in der Geroldseckerhalle nachgeholt.

Wie hat die Zunft auf die Einschränkungen reagiert? Bislang hat sich die Pandemie für uns als Fasentzunft außerhalb unserer Veranstaltungen abgespielt. Die Hygienemaßnahmen umzusetzen, war deshalb nicht sonderlich aufwendig. Angesichts der aktuellen Entwicklung werden wir unsere Sitzungen im November online durchführen. Wir haben uns vorgenommen, in den kommenden Wochen nicht abzutauchen. Wir wollen Machbares coronakonform und im Kleinen durchführen. Dazu gehört unser traditionelles Schlachtfest, das am 14. November steigen soll – allerdings als "Schlachtfest to-go". Schlachtplatten können bei uns bestellt und dann im Nörgler abgeholt werden. Damit wird die Zunft in diesen schweren Zeiten unterstützt, die mit hohen Einnahmeausfällen in der kommenden Fasentsaison rechnet.

Wenn die Corona-Pandemie andauert, welche Konsequenzen wird das auf die Zunft und das Vereinsleben haben? Finanziell erwarten wir ein schwieriges Jahr 2021. Fasentsonntagsumzug, Zunftabend und Kinderball wurden in der gewohnten Form bereits abgesagt, ebenso wie Veranstaltungen in unserem Vereinslokal Nörgler. Einnahmen werden fehlen, die Fixkosten für den "Nörgler" aber bleiben. Glücklicherweise können wir auf unsere Mitglieder zählen. Es liegen keine Abmeldungen vor. Die Zunftmitglieder bringen viel Verständnis für die außergewöhnliche Situation auf und halten den Schergässlern die Treue. Wir machen uns derzeit viele Gedanken darüber, wie die Fasent 2021 trotz der Bedingungen freudvoll und ohne große gesundheitliche Risiken gestaltet werden kann – ganz gemäß dem närrischen Motto unserer Fasentzeitung: "Jedem zur Freud, keinem zum Leid!" Die Fasentzeitung wird es auf jeden Fall geben, ebenso wie einen digitalen Zunftabend, den wir derzeit mit viel Aufwand vorbereiten. Wir wollen aktiv sein, neue Veranstaltungsformate ausprobieren und auch in Corona-Zeiten das närrische Brauchtum im Ort pflegen. S’goht dagege!

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