29. Januar 2011 - Badische Zeitung

"Es gibt nochmals einen Kracher"

BZ-INTERVIEW mit Gerd Merz, Spatzensänger von Beginn an.

LAHR. Mit dem 50. Zunftabend in der Geschichte der Reichenbacher Fasent eröffnen die Schergässler am 19. Februar die heiße Phase der fünften Jahreszeit. Mit Gerd Merz, Spatzensänger der ersten Stunde, Bänklesänger, Büttenredner und Zeremonienmeister,    hat Wolfgang Beck gesprochen.

BZ: Herr Merz, von wem ging die Idee eines Zunftabends in der Narrenhochburg Reichenbach aus, in der es zuvor nur Schergassenjahrmärkte, Umzüge, Kostüm- und Maskenbälle gab?

Gerd Merz: Von Albert Weiss. Er hat mich nach dem Kinderball 1961 gefragt, ob ich in   einer Gesangsgruppe mitmachen würde. Im Mai 1961 war bei ihm zu Hause die Gründungsversammlung der Reichenbacher Spatzen. Wir suchten weitere Sänger aus und übten für unseren ersten Auftritt am 11.11.1961 im Adlersaal. Unser Spatzen-Schlager damals: "Wir fahren mit der Santa Maria nach Rio und Hawai". Der erste Zunftabend war am 17. Februar 1962 im "Adler".

BZ: Was waren die Höhepunkte im zurückliegenden halben Jahrhundert?

Merz: Ich erinnere mich noch genau an den ersten Zunftabend, als Vogt Ferdi (damals Bürgermeister Ferdinand Müller) mit seinem Elferrat einmarschierte. Dann folgten die Dorfspatzen mit Weiss an der Spitze. Damals wurden die Karten übers Rathaus verkauft. Dort standen Menschenschlangen. 1962 war ein unvergessenes Jahr.

BZ: Inwiefern? Waren in der Kampagne wegen der Flutkatastrophe in Hamburg nicht alle närrischen Veranstaltungen abgesagt worden?

Merz: Nur die Umzüge, der Zunftabend fand statt. Mich schickte Albert Weiss als "Bundesschreiner" in die Bütt. Ich musste hobeln, kitten und leimen, was das Zeug hielt. Als Ehrengast war MdB Fritz Rinderspacher zugegen. Er hatte die Lacher auf seiner Seite, als er ironisch auf die Dorfgeschichte einging.

BZ: 1962 wurde auf Umzüge verzichtet, doch die Spatzen flogen dennoch aus. Wie kam’s?

Merz: Wir sind mit einem Wagen durch den Ort gezogen, haben gesungen und für die Flutopfer in Hamburg gesammelt.

BZ: Blieb man beim Zunftabend dem Konzept die ganzen Jahre über treu?

Merz: Es gab immer wieder Veränderungen: Früher waren wir Parodiensänger, kritisierten lokale Ereignisse. Später kam eine eigene Spatzenshow dazu, die auch auswärts für Furore sorgte. Wir hatten Auftritte in Ettenheim und anderen Narrenstandorten am Oberrhein. Wir stellten Künstler aus Funk und Fernsehen dar und kamen stets gut an. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr närrische Figuren, Musik- und Tanzgruppen ins Programm.

BZ: Was ist jetzt in der ausverkauften Geroldseckerhalle geplant?

Merz: Wir Spatzensänger sind Teil eines Blocks, an dem noch andere ehemalige Aktive teilnehmen. Wir sind mit historischen Figuren vertreten. Mehr will ich nicht verraten. Es wird nochmals ein Kracher werden, da bin ich mir sicher.

26. Januar 2011 - Badische Zeitung

Bauer wird Ehrenzunftrat

LAHR-REICHENBACH. Ehre, wem Ehre gebührt, hat sich Oberzunftmeister Martin Maier von den Schergässlern am Sonntag im Zunftlokal Nörgler gesagt und dabei im Kreis geladener Gäste den langjährigen Zunftrat Peter Bauer zum Ehrenzunftrat ernannt. Gleichzeitig wurden Gisela Heitzmann, Rolf-Dieter Hügel und Beate Meier von den Schergässlern mit den Verbandsorden in Silber und Bronze ausgezeichnet.

Ehrungen bei den Schergässlern in Reichenbach (von links) : Oberzunftmeister Martin Meier, der neue Ehrenzunftrat Peter Bauer, Rolf Dieter Hügel, Rainer Kimmig, Giesela Heitzmann, Edgar Lippert, Beate Maier und Zunftmeister Thomas Fischer Foto: Heidi Fössel

Auch Ortsvorsteher Klaus Girstl wurde ausgezeichnet: Er erhielt von der Zunft die Narrenmütze. Mit Dank und Anerkennung für langjähriges Engagement in der Narrenzunft wurden Oliver Gür, Oliver Schell und Klaus Schwarzwälder aus dem Zunftrat verabschiedet. Im Beisein von Ehrenoberzunftmeister Klaus Glatz, Ehrenzunftmeister Werner Fehrenbach sowie weiteren Ehren- und Mützenträgern ging der amtierende Narrenboss Martin Maier auf die Verdienste der zu ehrenden Narren ein, die an vorderster Front, in der Bütt, beim Tanzen oder in anderen närrischen Formationen und Gruppierungen zum guten Ruf der Narrenzunft beigetragen haben.

Die Ehrung der aktiven Narren nahmen Vorstandsmitglied Reiner Kimmig und Narrenvogt Edgar Lippert vom Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) vor. Den Silberorden erhielt Gisela Heitzmann, die seit 22 Jahren als "Tratschwieb" beim Zunftabend für Furore sorgt und auch in der Schergass zu den Aktivposten beim Theater gehört. Für elfjähriges Engagement bei den Narren wurden Rolf-Dieter Hügel – seine Figur ist der Lahrer Hinkende Bote – und Beate Meier ausgezeichnet. Meier leitet seit 20 Jahren die Hästrägertanzgruppe und ist auch bei den Neuen zu finden.
Mit einer Laudatio für Zunftrat Peter Bauer in alemannischer Prosa und urigem Gesang war "Kasimir" Wolfgang Miessmer im "Nörgler" vertreten. Peter Bauer wurde nach 22 Jahren aktiver Vorstandstätigkeit, die er auf eigenen Wunsch beendete, zum Ehrenzunftrat der Schergässler ernannt.

Mit nachdenklichen und heiteren Liedern am Örgele stimmte Miessmer auf die kommende heiße Phase der Fasent ein. Der Ehrung schloss sich ein von der Zunft spendiertes Mittagessen und gemütliches Beisammen im Nörgler an. Ortsvorsteher Klaus Girstl bedankte sich für die Auszeichnung und wünschte den Schergässlern eine erfolgreiche Kampagne, zu der der 50. Jubiläums-Zunftabend am 19. Februar gehört.

15. November 2010 - Badische Zeitung

Närrisch zu sein, wird teurer

LAHR-REICHENBACH (wob). Oberzunftmeister Martin Meier und Zunftmeister Thomas Fischer stehen auch in der kommenden Kampagne an der Spitze der Schergässler. Bei der Mitgliederversammlung zum Auftakt der Narretei am 11.11. im "Nörgler" wurde auf eine erfolgreiche Fasent geblickt, das Vorstandsteam bestätigt und durch Beitragserhöhungen der finanzielle Spielraum für künftige Investitionen im Vereinsheim erweitert.

Dass die organisierte Narretei immer mehr Geld verschlingt und auch die 450 Schergässler bei den aktiven Erwachsenen Federn lassen mussten, waren die Gründe für den Vorschlag von Vorstand und Zunftrat, die Beiträge von bisher zehn Euro auf 30 Euro für Aktive und auf 20 Euro für Passive zu erhöhen. Dies wurde mehrheitlich angenommen. Der Oberzunftmeister begründete die Erhöhung mit den hohen Fixkosten, die den Schergässlern durch den Unterhalt und Betrieb des Vereinsheims entstehen. "Mit den Beiträgen schaffen wir keine Deckung", sagte Meier. Schlimmer noch: Ohne den Schergassenjahrmarkt habe das Vereinsjahr meist mit einer "schwarzen Null" oder einem Minus abgeschlossen.

Doch nicht nur die Finanzen, die Kassenwartin Petra Christmann im Detail erläuterte, waren Grund zur Klage, auch die aktive Teilnahme der Schergässler bei den Umzügen sowie die Resonanz bei Hästrägersitzungen trieben Meier etliche Sorgenfalten auf die Stirn. Der Schergässler-Chef forderte mehr Disziplin unter den Aktiven, die schließlich bei den Veranstaltungen und Auftritten in der Region die Visitenkarte für die Narrenhochburg Reichenbach hinterließen.

Trotz der kritischen Anmerkungen des obersten Schergässlers fiel die Bilanz der Kampagne 2010 positiv aus. Besonders erfreulich sei die zahlenmäßige Zunahme von Jugendlichen in der Zunft, die Meier mit 71 Mitgliedern unter 16 Jahren bezifferte. Eine Bereicherung des Zunftabends und weiterer Veranstaltungen in der fünften Jahreszeit sei der Auftritt der Minis und Maxis des Schergässler-Nachwuchses gewesen, über die die Verantwortlichen Tanja Mallach und Nicole Weinrich-Dold berichteten. Erste Neuigkeiten über die Kampagne 2011 konnten der neuen Homepage der Schergässler unter www.schergaessler.de entnommen werden, die Zunftmeister Thomas Fischer gestaltet hatte und nun vorstellte. Auf der Homepage gibt es nicht nur wichtige Informationen rund um die Zunft, sondern auch über die traditionelle Fasent. Zu einem Höhepunkt dürfte der 50. Zunftabend am 19. Februar in der Geroldseckerhalle werden, so Meier. Neue Wege wollen die Schergässler am Fasentfreitag bestreiten und unter dem Motto "Die Zunft hält Hof" die Baronspaare der vergangenen 50 Jahre einladen. Zum Programm 2011 gehöre auch wieder ein Hästräger-Treffen, für das nach Auskunft von Meier bereits 500 Anmeldungen vorlägen.

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