Historie - die Jahre 1949 bis 1956

Vom Schock der Kriegsjahre und vom Druck der Besatzungsmacht konnten sich die Schergässler erst in der Kampagne 1949/50 lösen. Dann aber mit Gewalt und Gebraus. Als der Elfte Elfte des Jahres 1949 nahte, trieben sich Schergassgeister um den Verwaltungssitz der Gemeinde. Bürgermeister Ferdinand Müller setzte sich auf die Spur der Geheimnisträger und begann in der Linde mit dem Reinemachen. Was hatte er allerdings zu bereinigen? Nichts mehr und nichts weniger als die Beendigung des Stillstands närrischer Traditionen. Die Schergässler wollten wieder auf die Straße, wie man es andernorts auch tat. Auf Einladung von Bürgermeister Müller trafen sich Anfang Dezember 1949 im Rathaus 14 Personen um über die bevorstehende Fasent zu sprechen. Es wurde beschlossen eine Schergassen-Jahrmarkt-Kommission zu bilden und 30 Personen wurden dazu gezielt eingeladen. Die erste Sitzung dieser Kommission fand am 17.12.1949 in der Linde in Reichenbach statt und es waren tatsächlich über 30 Personen erschienen. Bereits am 22.12.1949 fand die zweite Sitzung der Kommission statt und in dieser Sitzung wurde beschlossen der Sache einen Kopf zu geben und einen Elferrat zu bilden. Bürgermeister Müller wurde zum Vorsitzenden gewählt und trug von da an den Titel Vogt Ferdi I. Bis zum ersten Umzug am 11.02.1950 fanden insgesamt 9 Sitzungen der Kommission statt. Ebenfalls 1950 wurde mit "Wenn in d'r Schergaß Johrmärkt isch..." ein eigener Narrenmarsch präsentiert und die erste Fasent-Zitung veröffentlicht.

Die Umzüge 1950 und 1951 standen noch im Zeichen des Versuchs, Attraktionen zu entfalten, Altes wieder aufleben zu lassen und Neues hinzuzufügen. Die Schergässler erhoben Reichenbach zur Residenz des Narrenstaates Hohengeroldseck-Dautenstein. Die Narrenjahre 1952/53 brachten eine gewaltige Wende und eine neue Regierung. Vogt Ferdi I. hatte gute Vorarbeit geleistet. Er berief Otto Glatz zum Narrenkanzler (2. Vorsitzender), Wilhelm Beck zum Außenminister, Karl Höfle zum Innenminister, Franz Herrmann zum Finanzminister, Josef Steiner zum Friedensminister, Franz Fleig zum Kriegsminister, Wilhelm Groh zum Vergnügungsminister, Albert Schmalz zum Ernährungsminister, Anton Schätzle zum Verkehrsminister und Josef Fehrenbach zum Informationsminister. Das also war der Elferrat samt Präsident und Vogt der Herrschaft Hohengeroldseck-Dautenstein.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es die Häsfigur der Schergässler noch nicht. Sie entstand aus einer katholischen Mädchengruppe heraus. Ein Mädchen dieser Gruppe lud zum Geburtstag ein. Anstelle einer Gruppenstunde wurde dann in der heutigen Reichenbacher Hauptstraße 21 (damals Friseurgeschäft Regina Bühler) Geburtstag gefeiert. Deren Tochter Rosmarie hatte Geburtstag und war Mitglied dieser Mädchengruppe. Im Verlauf der Feier kam man auch auf die Fasent zu sprechen. Die Gruppenleiterin Anna Himmelsbach aus der Schergasse regte an, sich in irgendeiner Form an der Reichenbacher Fasent und dem Umzug zu beteiligen. Aber wie? Man besorgte sich blaue Arbeitsanzüge. diese wurden mit Rüschen aus blauem Krepppapier besetzt. Die Näharbeiten fanden in der Kinderschule statt, da es dort zur damaligen Zeit eine Nähstube gab. Die zum Kostüm gekauften Masken waren aus Pappmaschee. Nachdem die Gruppe mit der Kostümierung fertig war, ging es darum, einen passenden Namen für die Gruppe zu finden. Anna Himmelsbach meinte damals: „Da sich alles, war mit der Narretei zu tun hat in der Schergass abspielt, nennen wir uns einfach Schergässler“. Und somit war die Häsfigur geschaffen und mit einem Namen versehen. Doch zur Figur sollte noch irgendetwas dazu und so wurde von Schreinermeister Josef Fischer eine überdimensionale Schere geschaffen und der Schergässler war perfekt. Dies alles geschah im Jahre 1953.

zur weiteren Geschichte ...

 Unsere Sponsoren